Nimerudi Kenia: ich bin zurückgekehrt nach Kenia – zumindest für 10 Tage … nämlich über Weihnachten und Neujahr! Es ist schon ein wunderschönes Gefühl, sich auf ein Wiedersehen zu freuen: Afrika, die Farben, die freundlichen Leute, der Geruch, Swahili, und vor allem Amadeus und sein Herzblut: die Kinder!
Todmüde nach der Reise in der dem Hotel Diani Marine – ich hatte freilich wieder dasselbe Hotel gewählt, in dem ich auch die ersten zwei Juliwochen verbracht hatte - angrenzenden Bar „40 Thieves“ am 24. Dezember in knappen Shorts und T-Shirt zu sitzen, auf den Ozean zu schauen und Weihnachtslieder wie zum Beispiel „Es wird scho glei dumper“, gospelähnlich gesungen von schwarzafrikanischen Gesangsmeistern, zuzuhören und den Fisch des Tages zu genießen, hat schon was! Von der Geschäftsführerin des Diani Marine, Sylva, sowie von dem Wiener Tauchlehrer Thomas und Mike, dem Barman von Diani Marine, mit großem Hallo empfangen zu werden und sich gleich wieder vertraut zu fühlen, hat auch was! Am weißen Sandstrand entlang zu schlendern, die Beach Boys gekonnt abzuwimmeln und von meinen Friseurinnen, die meine Zöpfe schon im Sommer geknüpft hatten, umarmt, geherzt und willkommen geheißen zu werden, hat auch was! Natürlich kann man jetzt meinen, naja, die sind ja auf Geschäft aus, da kann man schon jemanden überschwänglich begrüßen. Schön, auch wahr… dennoch, meine Friseurin im DM in Wien hat mich trotz allem noch nie so begrüßt.
Ich hatte mehrere kleine Aufträge im Sinne für Amadeus zu erledigen und einer davon führte mich zur Besitzerin des kleinen, vornehmen und gemütlichen Hotels „Asha Cottage“, wo ich auch vom letzten Sommer wiedererkannt und im gleichen Atemzug ermuntert wurde, am Weihnachtstruthahnbuffet am 25. Dezember teilzunehmen. Nun, ich muss nicht extra erwähnen, dass es ein hervorragendes Mahl war, genossen an einem lieblich gedeckten Tisch am Pool. Tags darauf sollte ich dann meinen Bauch am abundanten Buffet vollschlagen, organisiert im gepflegten Garten des Diani Marine und zubereitet zum Großteil von Sylva selbst – vorzüglichst!
Nun, dass ich mich auf die gewohnte Umgebung des Diani Beach gefreut hatte, ist wohl klar und dass ich mich auf die Kulinarik genossen in lüftigster Bekleidung outdoor gefreut habe, auch. Doch der eigentliche Grund, warum ich keinen Aufwand gescheut habe und das höchst überteuerte Flugticket sowie die erhöhten Saisonkosten des Hotels und den doch für die lange Reise kurzen Aufenthalt in Kauf nahm, waren die Amadeus Waisenkinder! Am Weihnachtstag, dem 25. Dezember, lief ich eine Stunde den Strand hinunter zum Colobus Beach, wo die Kinder an diesem Tag im Meer planschen und schwimmen durften. Ich wollte mir nichts vormachen, es waren vier lange Monate vergangen seit meinem emotionalen Amadeus-Abschied und der Wiedersehensort am Strand, am Meer, wo sie ausgelassen im Wasser spielen, konnte durch meine schiere Erscheinung wohl nicht getoppt werden – dachte ich. Und da irrte ich gewaltig: alle strömten sie zu mir her und begannen auch sofort unser Theaterstück „The lizard“ zu erwähnen und erzählten mir stolz, dass sie versucht hatten, es kürzlich noch einmal zu spielen. Ich war gerührt! Meine kiddies, alle im Meer spielend und mit ihren zu Weihnachten erstandenen Schwimmreifen herumhüpfend und balancierend, griffen nach meiner Hand, zogen mich zu ihnen und es war, als ob ich überhaupt nie weg gewesen war!
Ich hatte einen großen Koffer voll mit Geschenken für sie mitgebracht. Nach einer kurzen Besprechung im Waisenhaus, beschlossen wir, die Geschenke ihnen erst bei meinem Abschied zu geben. Ich besuchte sie noch einige Male im Waisenhaus und spielte mit ihnen und herzte die Babys. Es gab auch Neuzuwachs im Amadeus: 6 neue, sehr liebe Kinder sind frisch an board und blühen sichtlich bei dieser vortrefflichen Pflege der nannies auf. Die nannies und die guards – alle freuten sich sehr über meinen Besuch! Sie machten mir Tee und scherzten über unsere gemeinsame Zeit im Sommer und bezeichneten mich immer wieder als ihren „mwalimu“ (Lehrer). Trotzdem war die Rolle eines Besuchers schon ein wenig eigenartig für mich, und ich ging im Garten auf und ab und schielte immer wieder zu meinem Häuschen rüber, wo ich ja doch quasi mein kleines feines Zuhause hatte.
Ich hatte mir natürlich auch vorgenommen, die lokalen Annehmlichkeiten Vorort zu genießen und ließ mir die Gelegenheit nicht entgehen, einen exzellenten – wenn nicht überhaupt besten meines bisherigen Lebens – Fisch mit erfrischenden Salat und wunderbar gewürzten Zutaten im Colobus Shade, unter dem Tausende von Jahren alten Baobab Baum, zu gönnen. Ebenso, nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die shopping malls in Ukunda, bestellte ich in gewohnter Manier mein Hendl im Rondai Restaurant und genoss es, unter Einheimischen zu sitzen und zu dinieren – zu fairen Preisen! Das Tusker Bier kostete dort KSH120 (also rd €1) – sehr wohlfeil!
Am Altjahrestag nahm ich an einem vom Hotel organisierten Ausflug zur Insel Chale teil – zum Wucherpreis von €120. Mit dem schicken Motorboot wurden wir zum Schnorcheln an die Bucht von Chale gebracht und ich genoss diesen letzten Tag im alten Jahr schnorchelnd und am von Wellen getragenen, schaukelnden Boot in die afrikanische Sonne blinzelnd. Zu Mittag bediente sich unsere Gruppe am fürstlichen Mittagsbuffet. Danach erkundeten wird die Insel und wandelten am weißen Sandstrand, umrahmt von Korallenriffen und den gezeitenabhängigen Salzwasserseen, umgeben von Mangroven. Ein Einheimischer zeigte uns heilige Gebets- und Meditationsstätten. Nach einem letzten Schnorchelstopp ging es dann letztlich wieder zurück zu Diani Marine.
Um 21h trafen sich die Hotelgäste und ich im Besonderen mit zwei älteren ladies aus Bonn an der Hotelbar, um sich bei einem Drink vom alten Jahr zu verabschieden und eine Stunde vor Mitternacht zum Strand zu gehen, um beim Lagerfeuer und den wogenden Wellen auf das neue Jahr zu warten. Und pünktlich zu Mitternacht kam es auch auf einer einrollenden Welle angeritten: Prosit 2012!!! Nach einer erfrischenden Schwimmrunde im Hotelpool streckte ich mich in meinem königlichen Gemach aus und erwachte frisch am Neujahrstag, den ich als kompletten Relaxtag auserkoren hatte. Wie schön ist doch das dolce far niente! Am Strand sitzend und den Promenadeweg, gesäumt mit einer Unzahl an Leuten, die auch alle dem neuen Jahr mit ihrer Familie und Freunden am Strand Tribut zollten, beobachtend, fiel mir alsbald eine vielköpfige kenianische Familie auf, die, allem voran ihrem Familienoberhaupt, an einem großen, am Strand unten gelegenen Tisch im „40 Thieves“ Platz nahm. Der älteste Stammhalter nahm jedoch am oberen Ende, am Gesims des Restaurants, vornehm Platz und winkte bedächtlich den Ober her. Es war ganz offenkundig, was er dem Angestellten mitteilte: Er sollte alle Wünsche seiner großen Familie aufnehmen und erfüllen und ihnen bringen, was sie bestellten und wollten. Der Ober tat natürlich wie ihm geheißen und es war für mich bewegend zu sehen, wie dieser mzee (die höfliche Bezeichnung in Swahili für einen alten, weisen Mann) aus der Distanz diese Szenerie beobachtete. Man konnte wahrlich den Stolz fühlen, den er inhalierte, um seine Familie, die einen erheblichen Aufwand an Kleidung und Aussehen betrieben hatte, an diesem Tag ausführen zu können.
An meinem letzten Besuch im Waisenhaus teilte ich die Geschenke aus, und die Buben und ich bastelten Weihnachtsmotive aus bunten, styroporähnlichen und an einander haftenden Teilen. Die kleinen Mädchen kreierten nach ihrem Mittagsschlaf mit mir Fantasiesteckblumen und badeten dann im bunten Badewannenwasser und sangen gemeinsam unser altes Lied „Row, row, rowing boat“, bevor ich mich verabschieden musste, um noch vor Dunkelheit im Hotel anzukommen. Sie begleiteten mich mit den nannies noch ein gutes Stück meines Heimweges durch den gut bekannten Busch mit, um dann mit ihren tausend Händchens zum Abschied zu winken und „Kwa heri!“ zu brüllen.
Und so ging auch dieser Aufenthalt zu schnell um, und ich saß schon wieder im Flugzeug mit Kurs auf die triste, graue Winterheimat. Und was waren nun die kleinen Weihnachtswunder, werdet ihr euch denken? Unzählige! 1. Mein Gepäck ging weder beim Hin- noch beim Rückflug verloren. 2. Ich musste den Globus nicht zweimal umkreisen, um an meine Destination zu gelangen. 3. Ich konnte sogar noch ein wenig Swahili verstehen und sprechen! 4. Ich wurde weder von Malaria noch von sonstigen herkömmlichen Magen- und Darmproblemen befallen. 5. Ich wachte am Tag meiner Abreise wieder mit meinen afrikanischen Zöpfen auf! 6. Ich kam mit einem schwereren Koffer hin als wieder zurück. Und 7.: Die Kinder erkannten mich wieder und erinnerten sich an meinem afrikanischen Namen – Mwanaisha!