Seit Jahren möchte ich nach Lamu, eine kleine Insel nördlich von Mombasa, die sich als authentisch gebliebenes Swahili-Fischerdorf den world heritage Titel verdient hat. Die Häuser werden hier aus toten Korallensteinen mit Kalkmörtel gebaut. Das ergibt eine sehr längwährende und nachhaltige Bauweise. Es ist nämlich durchlässig und kühlt die Häuser gut - auf natürliche Weise - nicht so in Betonbauten, wo man Klimaanlagen braucht. Am faszinierendsten finde ich jedoch diese einzigartigen voll-Holz Swahili-Türen, manche weit über 100 Jahre alt, alle handgefertigt und individuell verziert.









Da Autos auf dieser Insel im wahrsten Sinne des Wortes keinen Platz haben, weil die Gassen sehr eng sind und Menschen nur im Gänsemarsch durchgehen können, gibt es hier frei umherziehende Esel, die Lasten transportieren, weil sie gutmütig sind und überall durchkommen. Eigentlich nennt jeder/e der 30000 Einwohner/innen einen oder mehrere Esel sein/ihr eigen. Sie werden in der Früh gefüttert und dann sind sie bis am Abend sozusagen frei, außer sie werden gebraucht. Und am Abend vor Sonnenuntergang kommen sie wieder von selber zurück und bekommen ihr Abendessen. Sie werden besonders gut behandelt und einmal pro Jahr findet ein Esel-Schönheitswettbewerb auf Lamu statt, den jede/r gewinnen will...
Als ich unlängst las, dass meine Lieblingskünstlerin Marina Abramovic hier war, um dieses Foto aufzunehmen, wusste ich, es wird Zeit für mich nach Lamu aufzubrechen.
Meine liebe Freundin Elisabeth, die ein Reisebüro hat, organisierte alles: den Flug von Mombasa nach Lamu und 2 Nächte in einem authentischen und typisch Swahili-Stil Frühstückshotel und 2 Nächte im Luxus-Resort Majlis auf der Nachbarinsel zum Ausspannen....Ich hätte es nötig, sagt Elisabeth und ich ergebe mich gerne ihrem Urteil.
Sofort bei der Ankunft auf der Insel werde ich von ihr in den Bann gezogen: die Farben, die Gerüche, die Menschen und natürlich die Esel... Ich folge einer Eselin, als sie in eine Sackgasse verschwindet. Was will sie dort bloß? Gleich wird mir klar: sie musste für kleine Mädchen. Und wie wir Frauen das eben so machen, so sucht man sich eine diskrete, unauffällige Ecke. Die Eselin macht kehrt und kommt langsam auf mich zu. Ich knie mich nieder, um auf Augenhöhe zu kommen. Und da waren wir nun: sie stand still und schaute mich ruhig an. Ich kniete gegenüber und nahm Augenkontakt auf. Eine gute Minute atmeten wir gemeinsam und hatten einen Gedankendialog von Frau zu Frau....in aller devoten Demut. Das hinterließ einen starken Impuls in meiner Seele.




Sie sollte noch ein paar Mal am Eingang vom Lamu House auf mich warten und mich grüßen. Dort traf ich auch einen einzigartigen Künstler namens Abu, der Ossi und mich durch Lamu Old Town führte und mich der Kultur noch ein bisschen näher brachte. Lamu besteht hauptsächlich aus Moslems, die arabischen Ursprungs sind - so auch Abu. Während er uns sehr viel über Fischerei, Holzindustrie und Tourismus auf Lamu erzählt, möchte ich auch ein bisschen was Privateres erfahren. Und mit seinen verschmitzten, durchbohrenden, wachsamen Augen - so wie es klischeehaft den Arabern zugeschrieben wird - spielte sich der Dialog so ab:
Ich: So, how many wives do Muslims usually get married to?
Abu: It is not so much about how many wives we usually have. It's more about how many we can afford. They are quite expensive. But I can tell you how it usually goes about: you normally start with one. But when this one gets quarrelsome and crazy, this is the moment you want to take a second one in, so that they can fight together and leave the man alone. Less headache for the man and we can have peace and quiet.
Aha. Alles klar! Ich lass das mal so sickern... Abu ist wie gesagt ein Künstler, der aus Müll Bilder macht. Er nennt sein Konzept: "zero to hero". Aus Müll kreiert er Landkarten und diese Bilder verkauft er dann. Ich bin jetzt stolz, auch in Besitz eines seiner Kunstwerke zu sein!
Um den Sonnenuntergang zu genießen, organisierte ich eine Dhou-Tour, nur für Ossi und mich...und während wir in den Sonnenuntergang hineinsegelten, leiser Musik lauschten, Swahili Snacks schnabulierten, und das Leben sich von der besten Seite zeigte, wurde meine Seele geflutet von Dankbarkeit und Demut, vollkommen ausgeliefert der anmutenden Schönheit der Sonne, die in den indischen Ozean eintauchte....
Nach 2 Nächten in dem einzigartigen Swahili-Stil erhaltenen Lamu House galt es, den Luxus auf der gegenüberliegenden Insel Manda zu genießen. Auf Majlis werden dir alle Wünsche sofort von den Augen gelesen....ein bisschen spooky, da du nur den Kopf in eine Richtung bewegst, und schon laufen 4 Kellner zu dir. Das bin ich nicht gewohnt und machte mich fast ein wenig nervös: ein bisschen wie Amazon. Du träumst etwas, und schon wurde es von Amazon gehackt und ist in deinem Amazon shopping basket.


Also, was macht man da so den ganzen Tag? Entspannen....wie geht das? Also, ich hab viel gelesen, meine Blogeinträge weiter geschrieben, eine Yogastunde mit einem Privatyogini gebucht, viel geschwommen und andere Hotelgäste beobachtet: hauptsächlich Weiße - wer sonst kann sich einen solchen Luxus leisten.... Es regte mich an nachdenken: eine recht wohlhabende englische Familie mit auch noch kleineren Kindern und einer nanny liegen auf den benachbarten Strandbetten. Der 5-jährigen Kleinen wird eine Kokosnuss nach der anderen gebracht: sehr fancy gestaltet, mit Hütchen, Blümchen, Strohalm tralala und einem strahlenden Ober, der es ihr ans Strandbett liefert. Hmmm....so reich wie es scheint, so armselig kommt es mir vor. Was für eine reiche Erfahrung darf ich machen, wenn ich im Amadeus auf der anderen Seite sehe, wie Kokosnüsse aus den Palmen gepflückt werden. Wie einzigartig darf ich Erinnerungen in mir pflegen, wo mir Kokosnussverkäufer am Strand mit einem langen, schmutzigen Messer eine Kokossnuss aufschlagen, mir mit dem Messer das Fruchtfleisch lösen und mir aus der Spitze der Kokosnuss eine Art Löffel schnitzen, mit dem ich dann das Fruchtfleisch rauskitzeln kann. Und das alles barfuß am Strand, wo man dann KSh 100 aus der Tasche rauskramt und ein paar Swahili Sätze los wird. Nicht ganz das Gleiche, oder...? Und so wird man das Land auch nicht kennenlernen...aber vielleicht wollen sie das auch nicht, sondern einfach mal nur elegant chillen. Nun, dann lasst mich abschließend einen review-Eintrag von weißen Touristen hier wiedergeben: "Das Hotel und alle Ausflüge waren toll - nur leider waren zuviele Schwarze hier."
Gut, dann lasst mich heute mal ignorant und arrogant gleichzeitig erscheinen: mir waren zuviele wazungu (Weiße) hier und die weißen kids sind auch um einiges lauter als schwarze watoto. Fakt.