Nun sind diese letzten 3-einhalb Wochen vergangen und ich habe meine to-do-Liste abgearbeitet:
- UAMAA Projekt begleitet und mitdokumentiert
- Money Seminar für die Kinder
- Ausflug mit Amy, Allen und Obama
- Supervision für alle nannies
- 10 golden rules for Amadeus und Verhaltenspyramide
- Reading club: "Charlie and the chocolate factory" für die Kinder
- Theaterstück "The Stone Soup"
- Running sessions am Abend
Es hat alles wunderbar geklappt. Es ist schön zu sehen, wieder ein wenig vorwärts gekommen zu sein. Die Hoffnung bleibt, doch etwas Positives bewirkt zu haben.... Die Erinnerung an Vieles, das ich hier erleben durfte, wird bleiben und mich begleiten.
Dass Ossi 1 Jahr älter und gescheiter geworden ist, merkte ich auch an der sensibleren Denkart, die er hier diesen Sommer zeigte. Ich erinnere mich gut, als er nachdenklich einer Kuh zuschaute, die auf einem Müllberg etwas Essbares suchte. Ossi sagte:" Aber Mama, diese Kuh frisst ja Plastik mit. Da wird die Milch, die sie geben soll, ja auch schlecht werden. Und dann trinken das die Menschen und die werden dann auch sicherlich krank davon!" - Ja, willkommen im Teufelskreis unseres Planeten-Bio-Haushaltes....
Etwas, das mich hier ziemlich betrübt, ist diese Kluft zwischen arm und reich. Mittelklasse gibt es nicht. Ich zähle als reich und bin irgendwie auch gezwungen, so zu agieren. Wenn ich hier im kokkos Kaffeehaus sitze, so kommt immer ein armer Junge zu mir, der Orangen verkauft. Mittlerweile kenn ich ihn schon gut, da ich immer einige Orangen bei ihm kaufe. Er muss immer lachen, weil ich auf swahili zähle und manchmal Fehler mache. Das Traurige an diesen Begegnungen ist, dass ich intuitiv meine Tasche, mein Tablet schnell sicher verstaue und in Sicherheit bringe, weil man leider nie sicher sein kann, ob ein Kind nicht auch zum Stehlen verleitet wird. Die Weißen hier sagen, man soll sich nie darauf verlassen, denn sobald sich die Gelegenheit bietet, werden sie dich beklauen....so hier die gängige weiße Meinung. Aber dieses schrecklich furchtbare Gefühl, wenn ich "arm" sehe, dass ich alles Wertvolle, das ich besitze, verstaue, trage ich für Stunden mit mir - mein Herz gibt mir ganz klar zu verstehen, dass das nicht in Ordnung ist. Ich denke mir immer, wie sich dieses Kind fühlen muss, wenn es sehen muss, dass man alles vor ihm wegräumt... Aber was tun? Ich kann nur Hoffen, dass dieses Land es irgendwann schafft, eine Mittelklasse aufzubauen und ihre Korruption hinter sich lässt. Die Regierung scheint aber schon zumindest ein wenig zu reflektieren: in diesem Monat wechseln sie die Geldscheine; das tun sie, um alle alten Geldscheine, die in wenigen Wochen nichts mehr wert sind, zumindest mal zu erfassen und an den Markt zu bringen. Die meisten Geldscheine werden nämlich von den Reichen gehortet, um dann bei Wahlen Stimmen zu kaufen!! Soviel zur demokratischen Wahrheit hier....
Ein wenig habe ich dieses Jahr das Gefühl, mehr schwarze Freundschaften geschlossen zu haben. Ich habe mehr Telefonnummern ausgetauscht und werde über WhatsApp in Verbindung bleiben. Das ist davor nicht so passiert. Weiß und Schwarz mischt sich nicht so leicht. Ich tu mir auch nach wie vor schwer, schwarze Gesichter und ihr Gefühlsleben zu lesen. Ich weiß nie genau, was sie meinen oder wie sie fühlen.... Aber trotzdem hab ich ein paar Freundschaften schließen können... Auch das wird man erst in der Zukunft sehen, ob das so funktioniert ; denn das Risiko ist hoch, dass sie dich dann immer nur kontaktieren, weil sie Geld brauchen und sie dich als Sponsor für ihre Kinder haben wollen.... Es ist wirklich schwierig....
Die Mehrheit der Weißen hier sind nach vielen Jahren in diesem Land äußerst frustriert. Sie alle sind der Meinung, daß sie hier niemanden trauen können, dass sie immer nur bestohlen werden. Sylva, die hier ein Hotel leitet, weiß, sie kann ihr Haus nicht verlassen, ohne dass sie von ihren Mitarbeitern, die das Haus bewachen soll, nicht bestohlen wird: Fernseher, Kleidungsstücke, etc. Maren, die Schuldirektorin, musste einen engen Mitarbeiter, für den sie die Hand ins Feuer gelegt hätte, fristlos entlassen, weil er sich an den Sparbüchsen ihrer Waisenkinder bedient hat. Hat man da noch Worte....
Eine sehr erschreckende Idee der Regierung ist, die Waisenhäuser in diesem Land zu schließen. Sie wollen alle Kinder zu ihren Verwandten, wenn sie irgendwelche haben, zurück schicken und die Findelkinder in ein zentral geführtes Heim bringen. So ist es auch schon beschlossen worden. Doch - und das ist wieder gut in diesem Fall - hapert es an der Umsetzung. Alles dauert hier Jahre bis etwas passiert, und somit sind wir guten Mutes, dass bis dahin unsere Kinder erwachsen sind. Außerdem hat Maren das letzte Mal den Children’s Officer (also eine Art MA11 Fürsorger) vor 9 Jahren gesehen, als er in den dunklen Morgenstunden 2 Kleinkinder in Unterhosen ihr vor die Tür setzte. Seitdem hat sie ihn nicht mehr gesehen.... Im Falle, dass er wirklich unser Amadeus Heim schließen will, so dürfte das konkret recht schwierig für ihn sein: er weiß nämlich nicht, wo es ist und es ist auch recht schwierig zu finden... Wir sind inmitten des kenianischen Buschs zwischen Ukunda und Diani. Ansässige pikipiki driver muss ich auch immer den Weg ansagen, damit sie überhaupt den Weg finden.... Also, was die Fürsorge-Person betrifft, so müssen wir uns mal keine Gedanken machen: unser Amadeus wird es weiter geben und unsere Kinder sind sicher und wohlauf bei uns.... Und Ossi und ich? Ganz einfach: tutarudi tena!!! (we will be back)
KWA HERI!!






























































