Mittwoch, 22. Juni 2011

Entwicklungshilfe: Erfindung oder Entdeckung?

Was ist meine Mission? Seit Jahren hege ich die Absicht, nach Afrika zu gehen, um zu helfen. Egal was und wie: vielleicht ist es auch die Suche und der Wunsch nach einer sinnvollen Mission - zum Unterschied zur europäischen "panem et circenses" eine "Erdung"  zu erfahren.  Nach langem Suchen nach geeigneten Entwicklungshilfeprojekten, wurde ich fündig! Ich werde im Waisenhaus "Amadeus - Children's Home" in Ukunda (40km südlich von Mombasa) Kinder betreuen und Englisch unterrichten. 

Hatten sich die Missionare der Kirche nicht eigentlich auch eingebildet, etwas Sinnvolles zu tun, als sie sich anmaßten, Afrika bekehren und christianisieren zu müssen, und somit Naturreligionen und über Jahrhunderte gewachsene Strukturen und Traditionen gefährdeten? Bilden wir Europäer uns heute ein, Afrika mit unserem Wissen entwickeln zu müssen? Es scheint so, denn die Welt will nicht mehr ohne "Global English" auskommen und deshalb ist es meine wichtige Mission, den Kindern Englisch beizubringen. Denn Wissen ist schließlich Macht - so sagt man. Gott-sei-Dank, ist es nicht umgekehrt und Europa müsste von Afrika entwickelt werden: Swahili ist nämlich deutlich schwerer als Englisch!

Aber schon aus literarischen Beispielen wissen wir ob der europäischen Arroganz: Shakespeare beschreibt treffend in "The Tempest", wie Caliban als eine Art Sklave von Prospero gehalten wird, obgleich Prospero ohne Caliban aufgeschmissen wäre. Genauso glaubt auch Robinson Crusoe, Freitag alphabetisieren (das heißt Robinsons Sprache zu erlernen und nicht umgekehrt!) zu müssen, wäre aber ohne ihn und seine Hilfe verhungert und den Gesetzen des Dschungels erlegen. Als die englischen Puritaner mit der Mayflower nach Amerika segelten, wurden sie, dort angekommen, von den Einheimischen vor dem Hungerstod gerettet. Und wie wurde es ihnen gedankt? Nun eins ist auf jeden Fall klar: die erste Hilfe benötige schon mal ich. Der Fahrer des Waisenhauses muss mich zunächst vom Flughafen abholen und befördern, denn allein wäre ich verloren in Afrika!

Österreich hat ja schließlich auch noch ein Wörtchen in der Entwicklungshilfe mitzureden. Oder? Es will ja auf jeden Fall einen Sitz im UN-Menschenrechtsrat! Dieses Engagement möchte Österreich vertiefen, indem es das Budget der Entwicklungszusammenarbeit bis ins Jahr 2014 um 33,4 Millionen Euro verringert, und somit um ein Drittel kürzt! Naja - macht ja nichts, die Opfer dieser Kürzungen werden sicherlich nicht lärmend um den Ring ziehen... Hauptsache, wir stützen unsere Banken mit Milliardenkrediten und kürzen dort, wo es keine Proteste geben wird! (nachzulesen im Profil 47; 22.11.2010 "Zehn kleine Helferlein")

Aber ich darf mich bei aller Kritik nicht ausnehmen: bevor ich im Waisenhaus "Amadeus" helfend Hand anlegen werde, starte ich den dekadenten Teil meines Afrika-Aufenthaltes und geh auf Safari, damit ich zumindest einmal in meinem Leben dem Löwen dort begegne, wo er hingehört - in seiner Heimat! Ich bezahle dafür auch astronomisch europäische Preise: gäbe der Missionsgott auch, dass das Geld dort ankommt! (Bis jetzt habe ich die Anzahlungen auf europäische Konten überwiesen...)