Ja, wie ihr euch schon denken könnt, Ossi und ich bereiten uns auf unseren baldigen Besuch im Amadeus vor. Unnötig darauf hinzuweisen, dass sich unsere Kinder freuen und wir uns auf sie.
Wir werden knappe drei Wochen in Kenia verweilen, wobei unsere Kinder leider nur eine Woche Ferien haben. Warum? Nun, Corona und die damit verbundenen Einschränkungen haben bewirkt, dass Schule sehr lange nicht stattgefunden hat. Natürlich war das ein kompletter Unsinn, diese Einrichtungen zu schließen, die vor allem für Aufklärung sorgen und auch Strukturen schaffen, wie logistische Tagesabfolgen, die das Virusgeschehen unbestreitbar besser navigieren können als unbeaufsichtigte Massen an Kindern und Jugendlichen auf der Straße, denn, und das habe ich schon einmal an anderer Stelle erwähnt, einen Lockdown kann man nur dann abhalten, wenn man eine Türe hat, die man "lock", sprich zusperren, kann. Und gerade das hat aber nun einmal die Mehrheit der Bevölkerung in Kenia nicht. Kurzum, die Schulschließungen mit dem fadenscheinigen Corona - Grund haben nur dazu geführt, dass die Analphabeten-Skala wieder gestiegen ist jedoch im Vergleich zur Virus-Infektion um Vieles mehr, da es dem Virus egal ist, ob es sich auf der Straße oder im Schulareal verbreiten darf.
Unsere Amadeus Kinder sind jedoch privilegiert - Gott sei Dank! Nicht nur haben unsere Kinder Lernräume, Bücher, Hefte und Computer sowie Zugang zu Internet, sondern wir hatten in dieser Zeit einen Privatlehrer sowie einen Psychologen organisiert, die sich um das seelische Wohl sowie die akademische Kenntnisse kümmerten. Trotzdem hält das Schulsystem daran fest, dass die versäumten Unterrichtswochen nachgeholt werden - was ja prinzipiell nicht schlecht ist. In meinem Fall heißt das aber, dass wir nur 1 Woche mit den Kindern Zeit verbringen können, da sie danach wieder in die Schule müssen.
Wir werden aber diese Woche sehr gut nützen. Ich habe die Kinder vorweg befragt, was sie wieder gerne mit uns machen wollen. Das Brainstorming ergab folgendes: morning-yoga, reading class, drama workshop, fun at the beach, evening run, chit chat after dinner. Und das sollen sie auch bekommen!! Nur dass das diesjährige Programm noch getoppt wird: Giulio, ein Freund aus Turin, möchte uns Vorort unterstützen. Er ist renommierter Physiotherapeut sowie Rugby-Trainer. Dank seiner Initiative werden unsere Kinder in den Genuss kommen, Rugby zu spielen und seinem Training zu folgen. Außerdem dürfen unsere Kinder einen Physio - Checkup bei Giulio vornehmen, wobei sich Giulio der Wirbelsäule, Knie, Hüfte etc widmen wird. Ich danke ihm jetzt schon von ganzem Herzen. Es ist sehr uneigennützig, seine Dienste gratis zum Wohl anderer zu Verfügung zu stellen. Und es ist schön, Menschen zu kennen, die bereit sind, das zu tun!
Im argen Kontrast dazu ist es schockierend Menschen zu begegnen, die nicht nur meilenweit von einem uneigennützigen Lebensstil entfernt sind, sondern sich sogar arrogant und ignorant anderen Menschen gegenüber benehmen und sich dabei menschlich total disqualifizieren, um nicht zu sagen, rassistische Züge aufweisen. Ich erzähle in diesem Zusammenhang zwei traurige Beispiele, die ich als Zeuge, beobachten musste.
Das erste Beispiel betrifft meine Amadeus Kinder. Diejenigen, die meinem Blog kontinuierlich lesen, wissen, dass ich mit unseren drei Vollwaisen jährlich einen Ausflug mache. Danach kehren wir immer in das Kaffeehaus Kokos ein und laben uns. So auch im letzten Sommer, der ja noch schwer mit Covid Beschränkungen behaftet war. Ich wollte meinen Augen nicht trauen: Amy, Obama, Allen betraten mit uns das Kaffeehaus, das vor allem von Weißen frequentiert wird. Mit dem Schritt hinein, sehe ich, wie alle weißen Gäste, die davor keine Mund-Nasen-Masken trugen, sofort ihre Masken aufsetzten, als sie meine schwarzen Kinder bemerkten. Die Botschaft war klar: Schwarze sind schmutziger als Weiße und verbreiten somit Krankheiten und zur Zeit eben Corona. Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, das in mir aufstieg: Zorn, Traurigkeit, Betroffenheit und Ohnmacht.... Ich war froh, dass meine Kinder sowieso auf die Kuchen-Vitrine fixiert waren und diese peinliche Szene nicht mitbekommen hatten. Aber so funktioniert die Welt leider: weiß wird mit dem "weißen Riesen" in der Waschmittelwerbung gleichgesetzt und schwarz mit dem "schwarzen Schaf in der Familie". Und das noch immer.... Auch im 21. Jahrhundert.
Das 2. Beispiel betrifft meinen Sohn und fand sehr zeitnahe in Wien statt. Auf der Kärntner Straße fiel einer recht wohlhabend gekleideten Dame unbemerkt ein Band aus einer ihrer Gucci Einkaufstaschen. Ossi als aufmerksames und hilfsbereites Kind hebt das Band auf, läuft ihr nach und will es ihr geben. Als sie meinen Sohn bemerkt, dreht sie sich arrogant weg und klemmt ihre Handtasche kräftig unter ihrem Arm; sie nimmt auch das Band nicht entgegen. Auch hier war die Botschaft klar: von einem farbigen Kind nehme ich nichts entgegen, es könnte mich ja bestehlen. Ossi war außer sich. Ich hatte gerade einen Koffer für unsere Reise gekauft, welchen er sich schnappte und ihr über ihre Füße fuhr. Keine Frage - das darf er nicht machen. Aber so drückt eben ein Kind seine ohnmächtigen Gefühle aus, wenn es offensichtlich öffentlich diskriminiert wird. Ich bin natürlich dahinter, dass Ossi lernt, seine Gefühle auch anders auszuleben. Tatsache ist jedoch, dass er noch oft solchen Diskriminierungen ausgesetzt sein wird, die einem im Herzen treffen. Ich dachte noch lange über diesen Vorfall nach und es füllt mich nach wie vor mit Tränen, zu wissen, dass mein Sohn nur wegen seiner Hautfarbe sich immer mehr beweisen muss als ein Weißer, um nicht in die Schublade der Schwarzen zu fallen: Drogendealer, Illegaler, Arbeitsloser, schmutzig, verwahrlost, etc. Wann wird das aufhören?
Umso mehr möchte ich an unser Kinderheim festhalten, wo wir Werte vermitteln wollen, die unsere Kinder zu wertvollen Menschen und starken Mitgliedern der Gesellschaft machen. Das erklärt auch den Namen unseres Kinderheims: AMADEUS - wer will kann es ja auch mit Mozart assoziieren, da er ja göttliche Musik geschrieben hat; aber eigentlich hat es mit "deus" = Gott und "amare" = lieben zu tun. Und vor Gott sind wir alle gleich und daran kommt auch kein weißer Mr Google vorbei. Das ist unverhandelbar.
Tutaonana baaday! (See you soon!)
