Mit wehenden Gewand auf einem pikipiki sitzend kommt Rose im Amadeus an. Ein Bild für Götter: ein bisschen surreal wie die "Omama im Apfelbaum" oder "meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" - eine ältere Frau, hübsch herausgeputzt, hinten oben am Moped, beide Beine seitlich gestreckt wegen des langen schmalen Rocks. Die Kinder haben chai (Tee) und eine Jause für sie vorbereitet. Sie scharen sich um sie und hören ihr zu, wie sie einzeln zu ihnen spricht. Leider versteh ich es nicht, da meine Swahili-Kenntnisse sich auf ein paar Wörter und festgesetzte Sätze beschränken, aber von der Mimik, der Atmosphäre und dem Klang ist es ein schönes Gespräch, das in die Vergangenheit der Kinder führt und sie zum Erinnern an alte Lieder und Rituale mit ihr anregt. Die Kinder führen sie dann in ihre Zimmer und sie schimpft belustigt über ihre unaufgeräumten Kleiderkästen. Bevor sie sich bei uns allen verabschiedet, geben ihr die Kinder noch ein paar Mangos mit auf ihren Heimweg. Sie umarmt mich und bittet mich, sie nicht zu vergessen; sie würde Amadeus auch nie vergessen, da ihr hier etwas ganz Wichtiges beigebracht wurde: ihren Namen zu schreiben - Rose. Ja, Wissen ist Macht.
Ich bin ja schließlich die Bildungsbeauftrauftragte vom Amadeus Verein und somit mit allen Bildungsfragen beauftragt. Deshalb treffe ich auch Maren, die Schuldirektorin von der Schule, die unsere Kinder besuchen. Bei unserem Gespräch erfahre ich über Fortschritte unserer Kinder - einige sind wirklich sehr gut, andere tun sich etwas schwer - auch natürlich deren Herkunftsgeschichte geschuldet. Aber sie werden ihren Weg machen... Andrea will Pilot werden und seinen Noten zu schließen, ist das nicht unrealistisch. Das Schulsystem verändert sich gerade. Das 8-4-4 System wird zu einem 6-3-3-3. Das heißt: 6 Jahre Grundschule, die mit dem KCPE (Kenyan Certificate of Primary Education) abschließt, mit insgesamt 11 Fächern, dann 3 Jahre junior high school, dann 3 Jahre senior high school, was mit der KCSE (Kenyan Certificate of Secondary Education) abschließt. Nach der 6-jährigen Grundschule geht man in ein Internat; es gibt zwar day schools, aber die haben einen sehr schlechten Ruf. Das Internat, in das zur Zeit 2 von unseren Kindern gehen (ab nächster Woche kommen weitere 2 unserer Kinder hin und sind schon sehr aufgeregt), fängt seinen Schultag um 4.30h morgens an (das ist moderat, viele boarding schools fangen ihren Tag um 3h morgens an.): zuerst duschen, dann prep class (Vorbereitungen für den Unterricht), dann assembly (da spricht die Direktorin zu allen und es wird gebetet). Dann fängt der Unterricht an, um 6.30h. Der Unterricht (mit Mittagessen) geht bis 15.30h. Anschließend finden Clubs statt bis 17h (das sind Musik und Computer Einheiten). Danach putzen die Kinder die Klassenräume und nach dem Abendessen ist Zeit für Hausaufgaben. Dann gehen sie zu Bett und dürfen noch lesen. Rama erzählt mir, er schläft im Bett über seinen Büchern ein.... Kein Wunder. Undenkbar, in Österreich (oder in Europa überhaupt) den Unterricht um 6.30h zu beginnen, mit einer Vorbereitungszeit von 5.30h bis 6.30h)....Hier ist das aber so üblich und laut Maren unvorstellbar, das zu ändern. Es wird von allen positiv mitgetragen.
Ossi nützt die Gelegenheit, um Maren 3 Fragen bezüglich des kenyanischen Schulsystems zu stellen, die er zu einem Referat im kommenden Schuljahr verarbeiten will.
Mich haben vor allem die Schulbücher interessiert, die unsere Kinder gerade für ihr kommendes Schuljahr bekommen haben. Hier ein paar Eindrücke!
Das swahili Lernbuch (wie das Deutschbuch bei uns).
Die Kinder hatten im letzten Monat ein 4-wöchiges Summer Camp in ihrer Schule und sind nachhaltig begeistert. Sie sind noch enger zusammen gewachsen mit ihren Schulfreunden und mit ihren Lehrern und Lehrerinnen. Besonders positiv war ihre Erfahrung mit dem neuen Schulpsychologen Anthony, der sich mit ihnen und ihren Sorgen intensiv beschäftigte. Maren möchte ihn deshalb weiterhin an ihrer Schule haben. Das finde ich auch eine sehr gute Idee. Wovon das abhängt? Geld, natürlich. Der Schulpsychologe kostet Euro 15 pro Halbtag - für europäische Verhältnisse ein Schnäppchen, nicht hier. Ich werden bei unserer nächsten Vereinssitzung um Unterstützung ansuchen - mal sehen....
Der Schulpsychologe Anthony wird sich außerdem auch mit den Ujamaa Leuten zusammen setzen und deren Erkenntnisse über unsere Kinder in seine Arbeit einfließen lassen. Das Ujamaa Seminar kam gestern zu seinem Abschluss. 3 Tage war das 4-köpfige Team da und knüpfte an die intensive Fortbildung von vor 2 Jahren an (ich berichtete davon). Es war eine sehr positive Erfahrung: die Kinder wurden wieder positiv gestärkt. Ich hörte Sätze wie: "I am beautiful. I love my body. Nobody touches me unless I want it." Natürlich wurde auch Grundsätzliches wiederholt: sexually transmitted diseases, sexual abuse, physical abuse, emotional abuse - Konzepte, die vor allem mit den nannies und den askaris besprochen wurden. Selbstverteidigung wurde auch wiederholt.














