Mittwoch, 24. August 2011

The big performance!


Heute war ein besonderer Tag für mich, die Kinder, Mamadeus (Gabriele), Papadeus (Wolfgang) und das gesamte Team! In aller Früh bereitete ich alle Lernunterlagen, die die Kinder während ihrer Zeit mit mir erstellt hatten, vor, um dem Team ihre Resultate würdig zu präsentieren. Die Kinder beobachteten mich aufgeregt und waren sehr stolz auf ihre erbrachten Leistungen. Die Kinder pflückten Blumen, um den Tisch mit den Erfrischungen für die zu erwartenden Gäste zu schmücken. Die Blumen vom Garten wurden in einer Vase – eine alte leere Bohnendose - dekoriert.


Die Gaukler zogen ihre Kostüme an: die Eidechse band sich eine grüne Decke um; die Prinzessin (ein Bub als Mädchen verkleidet) hatte ein schmuckes Kleidchen an und setzte sich ein Schlapperhütchen auf, an dem ein Schleier aus einem alten zerschlissenen Moskitonetz mit Sicherheitsnadeln befestigt wurde. Die Bühne war funktional gestaltet – ganz Shakespeare getreu – mit nur dem Wesentlichen: ein kleiner Tisch mit einem Sesselchen sollte das Haus des Bauern darstellen, eine Topfpflanze stilisierte den Garten, ein großes Bild mit Elefanten und Giraffen zeigte den Garten, in dem die Prinzessin lebte. Der Jüngling, der sie dann auch heiraten sollte, war fein herausgeputzt mit Hemd und feiner Hose. Ich hatte Hintergrundmusik, die die Geschichte untermalen sollte, vorbereitet: ein Verschnitt aus bekannten Disney-Songs.

Die Gäste wurden mit einer Glocke in den Vorstellungsraum gebeten und nahmen gespannt Platz. Und schon konnte es losgehen. Eine Erzählerin gab den Geschichtsverlauf an und begann nach einer kurzen musikalischen Ouvertüre: „Ladies and gentlemen! The girls and boys of Amadeus proudly present the play „The lizard“. Please, switch off your mobile phones, sit back, relax and enjoy!“ Unglaublich, wie toll die Kinder diese 15-minütige Vorstellung meisterten! Sie standen – meistens - im Profil zur Bühne, versuchten auch klar, deutlich und laut zu sprechen. Sie achteten auf ihre Einsätze, betraten die Bühne von der richtigen Seite und gingen auch richtig von der Bühne ab. Und, was am Wichtigsten bei einem Theaterstück ist, sie agierten! All das ist mit einem Alter von 4 bis 10 Jahren wahrlich nicht selbstverständlich! Zuletzt funktionierte auch die Verbeugung erstklassig. Das Publikum tobte und applaudierte lautstark und die Kinder jubelten – man sah die Erleichterung danach auf ihren Gesichtern geschrieben! Wie stolz ich war, kann man sich ausmalen…

All ihr Proben – etliche Male auch am Abend nach dem Abendessen – wurde somit mit einem tosenden Applaus belohnt. Außerdem wurde ihnen nach dem Stück auch noch ein großer Wunsch erfüllt: einen Nachmittag gemeinsam mit allen Kindern am Meer! Gabriele, Wolfgang und ich stopften alle Kinder in den Schulbus und wir fuhren an den Strand. Schwimmflügel wurden ausgegeben und ab in die Wellen und Fluten – ein Spaß! Ich hab selten so gelacht! Es kann sogar sein, dass in all dem Meerwasser auch eine Salzträne von mir Platz fand – da ich wusste, es sind meine letzten Tage mit ihnen… es ist einfach so schön zu fühlen, welch großes Vertrauen sie zu mir aufgebaut haben: sie umklammern mich, nehmen meine Hände, hüpfen auf mir herum, wollen auf mir sitzen und umarmen mich.

Nach einer Pizza – für die Kinder war es die erste Pizza in ihrem Leben! – hatten die Kinder Zeit, sich ein wenig auszuruhen und sich zu entspannen. Der wunderschöne Tag sollte mit einem Essen draußen im Pavillon seinen Ausklang finden: es wurde eine besondere afrikanische Spezialität gekocht: Pillau (Reis mit Fleischstücken und Kartoffel mit Krautsalat und Bananen) – das ist schon eine reichhaltige Speise, die nicht so billig ist und somit etwas Besonderes darstellt. Nach afrikanischer Tradition wird mit den Fingern gegessen. Wasserbehälter werden herumgereicht, um sich davor ordentlich die Hände zu waschen. Am Boden werden Matten und Decken gebreitet, auf denen man Platz nimmt und das Essen zu sich nimmt. Uns Weißen wurde mitleidiger Weise ein Löffel gereicht, damit wir nicht völlig hilflos wirkten. Es war köstlich! Alle verdruckten eine gehörige Portion Pillau.



Mich beeindruckt immer wieder, wie die Leute hier aus Nichts Etwas kreieren: aus Palmenblättern werden wunderschöne Durchgangsdekorationen gebastelt; aus alten Fetzen werden Dreiecke geschnitten und auf einer langen Schnur befestigt und über Wände gespannt. Man sieht hier auch Kinder, die den Metalldeckel einer Dose an einem Holzstab befestigen und damit am Boden geschickt Kreise ziehen. Die Einfachheit des Lebens hier wird mir zurück im überstilisierten Europa fehlen – das steht fest!

Nach einigen Dankesreden – auch ich durfte mich für diese einzigartige Zeit hier bedanken! – fand dieser intensive Tag sein Ende … ich werde ihn nie vergessen!