Dienstag, 28. August 2018
Footing the bill
Nach 6 Wochen in Kenia ist viel passiert und Vieles hat mich bewegt und Vieles nehme ich mit. Und natürlich ist es dumm, in westlicher Marnier, eine Rechnung auszustellen und auszurechnen, ob es sich ausgezahlt hat. Nein, Afrika zahlt nicht, Afrika ist.
In den letzten 7 Jahren hat sich Vieles hier getan. Kenya ist ein Schwellenland und man kann klar erkennen, dass es sich entwickelt und entwickeln will. Ich gebe ein paar Beispiele :
Kenya hat keine Plastiksackerln mehr. Nirgends - kein Geschäft kein Marktstandl hat Plastiksackerl. Es gibt nur mehr Stofftaschen. Vielleicht sehe ich auch deshalb kaum mehr furchtbar stinkendes Feuer, wo sie einfach Müll am Straßenrand verbrennen, etwas, das ich vor 7 Jahren sehr oft gesehen und noch öfter gerochen habe.
Noch vor 7 Jahren galt ich als sehr alte Frau hier und die Blicke, als sie mein Alter erfragt hatten, waren mehr als ungläubig. Jetzt, 7 Jahre später, gelte ich noch immer als alte Frau aber nicht als "sehr alt". In einem Gespräch kam heraus, dass ich in Kenya mit meinen 44 Jahren noch 6 Jahre zu leben hab. Jedes Jahr mehr ist ein God's blessing. Somit ist aber die Lebenserwartung gehörig gestiegen.
Während vor 7 Jahren die Buschgegend um Amadeus noch spärlich besiedelt war, so ist das Areal jetzt ganz dicht bewohnt. Die Wege haben sich verändert und man kann sich leicht verirren in den unzähligen Abbiegungen. Man sieht auch nicht nur Hütten sondern auch gemauerte Häuser, einfach gehalten, aber trotzdem schon mit einer Spur von Wohnlichkeit. Manche haben auch nebst bei einen Verkaufsladen, wo sie ihr Gemüse und Obst verkaufen. Kurzum, man hat das Gefühl hier organisiert man sich und man hat Zukunftsideen.
Wenn ich von Geschäften rede, dann geht der Begriff von einem Schubkarren über ein paar Stecken mit ein paar Dingen auf aufgebreiteten Säcken bis hin zu kleinen, gemauerten, vergitterten Häuschen. Verkauft werden Nahrungsmittel und auch Kleidung, manchmal auch praktische Waaren wie Küchenutensilien. Bücher, jedoch, in welcher Form auch immer, sieht man nirgends: nicht in Diani, nicht in Ukunda, nicht in Mombasa, nicht auf Sansibar. Afrika ist großteils bücherfrei. Ich bin zur Zeit beim Überlegen, wie Maren, die Schuldirektorin, zu Bücher für ihre Schüler kommt. Über Amazon und dergleichen geht es nicht: der Transport ist zu teuer. E-books geht auch nicht, da bräuchten sie ja Kindle oder Smartphones. Ich habe ihr jetzt mal meine drama Booklets zum kopieren gegeben und ich werde ihr viele PDF files mit graded readers über email schicken. Ausdrucken und kopieren kann sie nämlich ... Das ist somit schon mal etwas ... Da es auch immer mehr Schulen gibt und somit die Alphabetisierung von statten geht, wird aber auch in naher Zukunft der Wunsch und die Nachfrage nach Büchern steigen und der Markt wird reagieren!
Es gibt auch immer mehr Plätze, die nette, angenehme und gute Restaurants bzw Kaffeehäuser anziehen. Mein Lieblingskaffeehaus heißt "Kokkos", und das gab es vor 7 Jahren auch noch nicht - wieder ein Gewinn!
Und wenn man durch die engen Einkaufswege geht, so kann man sich nach wie vor die Lebendwaare aussuchen, nur das Schlachten bieten sie dir jetzt auch gratis an - etwas, das vor 7 Jahren auch noch kostete....
Nun, und sonst gewöhnt man sich nach nur 6 Wochen an Vieles. Der Linksverkehr wird einem ein wenig gewohnter und beim Einsteigen ins Auto passiert es mir immer weniger, dass ich zur falschen Autotür gehe.
Man gewöhnt sich auch, an die Flora und Fauna hier: noch vor 6 Wochen hatte ich immer flip-flops an und rannte Ossi mit seinen Schuhen hinterher, da mir die Wiese und das Gras hier so fremd und deshalb voller Gefahren vorkam. Ossi ignorierte die Schuhe sowieso gleich - und recht hatte er. Ich brauchte ein paar Wochen, um mich da anzupassen.
Man gewöhnt sich auch daran, dass man sein Appartement mit einer Gekko Familie teilt und hinter ihnen herputzen muss, dafür aber nie allein ist.
Man gewöhnt sich auch an die "fit für Afrika" Rezeptur : Ossi und ich trinken täglich eine TCM Mischung gegen Malaria und kauen eine Scheibe frischen Ingwer, damit der Magen-Darm-Trakt passt. Wir sprühen uns auch mehrere Male mit Insektenspray ein - auch eine Malaria-Maßnahme.
Man gewöhnt sich auch an die Umgebung: an die armen Menschen, die ärmlichen Hütten und Baracke, die unwegsamen und steinigen Wege. Es scheint, als wäre es auch nur eine Frage der Zeit, bis sich das Auge auf alles einlässt. Wenn die Armut mein Herz noch vor 6 Wochen tief berührt hat, so nimmt es das jetzt hin ...
Trotzdem glaube ich, dass die gebildetere junge Generation etwas ändern will und kann - und ich denke da im Besonderen an unsere Amadeus Kinder: wer weiß, vielleicht es ja ein Kind von uns, das als nicht-korrupter Politiker oder Politikerin Kenya auf Schiene bringt... Who knows? Ich habe mir die Zeugnisse unserer Amadeus Kinder angesehen und viele haben sehr erfreuliche Resultate!
Das alles denke ich, während ich jeden Abend auf meiner Terrasse sitze und in den Sternenhimmel schaue und relaxe.
Es brauchte einige Zeit, aber nach 3-wöchiger Suche fand ich schlussendlich auch mein Lieblingsgetränk: alkoholfreies Bier!
Aber was Afrika mir wirklich gebracht hat, ist eine Entschleunigung. Eines steht für mich fest: während sich die europäische Welt mehr um "to do" dreht, so ist das Motto von Afrika: "less to do, more to be", und das war für mich wunderschön zu spüren und zu erfahren.
Und selbst wenn die Baboon-Affen den Verkehr aufhalten, weil sie mitten auf der Straße kopulieren - (und das kostet Zeit 😊❤️), so lächelt man geduldig. Mimi ninacheka na ninasema (ich lache und sage): HAKUNA MATATA KENYA!!












