Donnerstag, 9. August 2018

Zanzibar or Unguja

Eigentlich hatte ich ja geplant, mit dem Autobus und dann mit der Fähre nach Zanzibar zu reisen, denn eigentlich ist Ukunda nicht weit von Tanzanias Grenze entfernt... Aber trotzdem hätte die Reise einen ganzen Tag gedauert, und die Abenteuerlichkeit mit einem 6-jährigen in Schlepptau ließ mich letztendlich zu einer Flugreise umentscheiden.


Woran erkennt man, dass man in Tansania ist? Ganz einfach: die Menschen haben keine kaputten Schuhe an. Und das muss daran liegen, dass hier die Strassen gepflastert sind. In Kenia sind nur die Hauptstrassen, die von Autos befahren werden, asphaltiert; die restlichen Wege gehoeren dem Erdreich an. Da fällt mir eine Episode aus Amadeus und seine Mitarbeiter ein: Eines Tages wollte ein Mitarbeiter eine finanzielle Zulage, da er seine Anreise mit dem Auto tätigen muss und daher die Reifen schnell kaputt werden, weil ja die Strassen wirklich sehr schlecht befahrbar sind und die Abnutzung enorm ist. Das brachte einen Rattenschwanz von Reaktionen mit sich: der nächste Mitarbeiter wollte somit eine Zulage für die Reifen seines Fahrrades und am Ende des Tages wollten alle, die in der Nähe wohnen und zu Fuss gehen, eine Zulage für die Sohlen ihrer Schuhe, die sich am Weg abwetzen... Tja, wo fängt man da an als Arbeitgeber....?!? :-)

Nun zurück nach Zanzibar: ich merkte also am ordentlichen Schuhwerk, dass ich in Tansania war. Nachdem ich dann etwas genervt die Währungssituation analysiert hatte (man ist sofort Millionär in Tansania: TSh 10 000 = Euro 3; ich hatte also Unmengen von Bargeld und dachte, ich bekäme Retourgeld vom Taxi, das uns zum Hotel brachte, musste aber letztendlich feststellen, dass ich zu wenig hatte. Der Taxifahrer war auch schon ziemlich genervt mit mir...), machten wir einen Abendspaziergang in Stone Town, die berühmteste und schönste Stadt auf Sansibar. Der Name der Stadt rührt daher, dass die Häuser aus Korallensteinen gebaut wurden. Ich war ganz aus dem Häuschen: herrliche Gebäude, gepflasterte Strassen, Strassenbeleuchtung und Menschen mit ordentlichen Schuhen!!!!





Unser Hotel war auch ganz reizend: die viereckigen Türbögen sind echte Swahilitüren, also von afrikanischer Herkunft, die oben runden Türbögen sind indischer Herkunft. Zanzibar war - und das merkt man - eine sehr wichtige Insel bis vor wenigen 100 Jahren: der Sultan aus Oman hatte hier seinen Sitz, der Sklavenhandel florierte hier und wichtige Handelswege nach Europa und Indien führen hier vorbei.



Ganz touristisch aber wirklich nett ist die "spice tour", wo sie dich auf eine Gewürzplantage karren und dich dort herumführen.


Lippenstift-Pflanze:


Ein Kokosnuss-Baum-Kletterer durfte natürlich auch nicht fehlen....aber sowas haben wir sowieso auch bei uns in Kenia.:-)




Am Schluss setzen sie dir dann einen Hut und eine Krone auf und stecken dir ein paar Ringe an, alles aus Buschblättern.

Zurück in Stone Town setzten wir unsere Erkundungstour in der Altstadt fort: das ist das ehemalige Tor zum Palastkomplex des Sultans -Palace Museum und House of Wonders, und natürlich davor ein wunderschöner Garten: Forodhani Gardens.




In den engen Gassen der Altstadt spielt sich das Leben ab. (kelele squares, kelele = Lärm) Alle Häuser verfügen über ein Steinpodest entlang der Außenhauswand: das verhindert zunächst mal das Eindringen von Wasser bei Monsoon Ausbrüchen und wird aber vor allem zum Sitzen und Plaudern vor dem Haus genutzt.


Diese echten original Swahili/indischen Türen faszinieren mich!


Natürlich gibt es auch einen lebhaften Markt:


Ein Führer führte uns durch die Stadt und organisierte auch alle anderen Ausflüge. Sobald du irgendwo in Ostafrika ankommst, wirst du von zig Menschen umringt, die dir alle ihre Dienste aufdrängen wollen. Zunächst habe ich mich gewehrt, was genau soviel bringt, wie wenn du 30 lästige Fliegen verscheuchst, sie sind nach 5 Minuten wieder da. Und dieses Spiel geht endlos, bis du aufgibst. Sie sagen dir, dass du als mzungu nicht sicher bist, dass man mit Kind einen Mann dabei braucht, und vor allem dass sie dir die Stadt am besten nahe bringen können ....und das alles für eh fast gratis ... Das gratis summiert sich aber... Das war schon in Mombasa so. Auf Sansibar hatte ich das Prozedere schon längst akzeptiert und habe einfach jemanden netten auserkoren, mit ihm einen Preis ausgehandelt und ihm gesagt, was ich alles sehen will. Und so klappte es sehr gut : er zeigte uns ausgiebig die Stadt und arrangierte alle Ausflüge sehr gewissenhaft. Unter anderem zeigte er uns auch eine Schule: das war gerade in einer Pause.


Ossi hatte sich während der Stadtbesichtigung dafür interessiert, warum hier alle Mädchen und Frauen verschleiert sind und alle Männer eine Kopfbekleidung haben (kofia) und zumeist einen Kaftan, während man in Kenia sowas eher selten sieht. Sansibar ist nun mal muslimisch, in Kenia ist die Hälfte der Bevölkerung christlich. Ich erklärte also Ossi, dass diese Kinder hier an Allah glauben, während wir an den lieben Gott glauben. Zunächst dachte er mal drüber nach und dann schaute er mich gefestigt an, "Aber es gibt keinen Allah, es gibt nur unseren Gott." und abermals wiederholte, ich dass wir eben das glauben und Muslime an was anderes. Und dass beides gut ist. "Nein, Allah ist Blödsinn und das muss man ihnen sagen." Sprachs und ging hin zu den kopftuchtragenden Schulmädchen und sagte, "Ihr könnt eure Kopftücher runtergeben, es ist eh so heiß. Es gibt nämlich keinen Allah!" Ich hielt kurz die Luft an, schnappte Ossi und eilte aus dem Schulhof bevor vielleicht dort doch noch irgendjemand deutsch kann und wir einem Glaubensattentat zum Opfer fallen.... Ossi versteht meine Aufgebrachtheit bis jetzt nicht. Er muss einfach hier für Aufklärung sorgen .... Und ich überlege, ob seine Ministranten Karriere eine gute Idee war ...


Wandmalerei... :


Auch hier ein paar spektakuläre Elektrizitätswerke:



Alle Queens Fans aufgepasst : das Geburtshaus von Freddie Mercury befindet sich mitten in Stone Town!



Und nun zum absolutem Highlight von Sansibar! Allabendlich bei Sonnenuntergang verwandeln sich die Forodhani Gardens in ein kulinarisches Erlebnis!  Köche prutzeln dir hier ein frisches Abendmahl! Sehr köstlich! 



Und das Essen nimmst du zu dir während du dich inmitten dieser Szenerie befindest: göttlich !!



Am nächsten Morgen um 5h gab es unseren Weckruf. Wir fuhren auf eine dolphin Safari! An diesem malerischen Strand bestiegen wir ein Motorboot und fuhren den Delfinen hinterher.





Zunächst trank ich noch einen Kaffee (kahawa), von sehr freundlichen Menschen serviert, und dann ging es los.



Der erfahrene Bootsfahrer gab mir immer das Zeichen, wann ich hinein springen sollte, um sie am besten zu sehen. Und ich konnte meinen Augen nicht trauen: einige Meter unter mir sah ich eine Tanzformation von Delfinen. Mindestens 3 oder 4 Kreise mit je 5 oder 6 Delfinen, die sich an den Flossen hielten, tanzten Ringereia. Und ich sah ihre Gesichter, wie sie sich zulachten und eine Menge Spaß hatten und dann - wie auf Kommando - zogen sie weiter, ganz nahe an mir vorbei. Selbst meine kleine Unterwasserkamera konnte ein paar nette Fotos unter Wasser zusammenbringen.



Was mich am meisten faszinierte, war die wunderbare Stille unter Wasser und das Leben, das sich vor meinen Augen abspielte. Es scheint, als ob die Lebewesen unter Wasser noch recht lustvoll leben und das Leben im Wasser noch in Ordnung ist. Aber wie ich uns Menschen kenne, arbeiten wir daran, auch das bestmöglich zu zerstören..  Zumal ich ja auch schon von Unterwasserstadt-Projekten gehört habe.....


Am Nachmittag fuhren wir zu einer anderen kleinen Insel, Prison Island, wo sie früher Kranke und Verbrecher wegsperrten.




Dort kann man Riesenschildkroten füttern und streicheln ... In Wahrheit recht fade Tiere, die ewig leben: eine war schon fast 200 Jahre alt.





Bevor es mit unserem Aufenthalt auf Zanzibar (oder auch ursprünglich Unguja genannt) zu Ende ging, wollte ich noch unbedingt auf ein "floating restaurant" und dort Mittagessen bevor wir zum Flughafen mussten.




Tja, nur leider mussten wir im ursprünglichen und sehr gemütlichen Restaurant - Boot erfahren, dass sie zwar eine Speisekarte haben, aber die Fische erst fangen und vor uns frisch bereiten, aber dass das eben gute 2 Stunden dauert ... Hmm. Somit war es dann eben nur ein Drink, denn nach einer Stunde mussten wir aufbrechen ...




Und da Zanzibar der Ursprung des kanga, ein rechteckiges, farbenfrohes Baumwolltuch, ist, so habe ich natürlich einige kangas erworben - denn einige Freundinnen haben eine Bestellung bei mir aufgegeben . .. 😎