Donnerstag, 22. August 2024

Was kostet eine Portion Benehmen in Europa?


 Einkaufen gehen in Kenya ist eigentlich recht einfach: man geht in ein duka= Geschäft und kauft die Dinge,  die man braucht. Meine Mädels kamen einmal mit mir mit und Mary, die Älteste (18 Jahre alt) kaufte für sich und die anderen Eis. Sie stellte sich zum Bezahlen an. Ich war noch selbst beim Einkaufen und kam erst ein wenig später in die Schlange....als ich sah, dass ein weißer britischer Mann, so um die 60, sie ansprach und Avancen machte- auf Englisch: "du bist so hübsch,  schade, dass du nicht meine Frau bist...möchtest du vielleicht meine Frau werden?" Bei diesem Satz war ich schon neben Mary und legte meinen Arm um sie, um zu zeigen,  dass sie zu mir gehört. Zu diesem Zeitpunkt war sie starr vor Schock und Entsetzen. Der weiße Mann, trotz meiner Präsenz,  hörte nicht auf, sie blöd anzuglotzen.  Da riss mir der Geduldsfaden und ich hatte große Lust, ihm  die Leviten zu lesen. Wäre er Österreicher gewesen,  hätte ich mein tiefstes Wienerisch ausgepackt und gesagt:" Du alter Schneebrunzer,  geh sch....".- okay,  vielleicht nicht ganz so "tief"...aber so in die Richtung. Auf Englisch hörte sich das so an:" Don't you dare talk to one of my girls like that!" Er antwortete:" I only want to be nice." Ich erwiderte:" What a pity that at your advanced age you still can't tell the difference between being polite and downright rude." Dann zog er ab. Ich wurde noch nie blöd von Kenianern angesprochen- ausgenommen vielleicht von beach boys am Strand, die aber mit einem bestimmten Gesichtsausdruck und "hapana, asanthe "- "nein, danke", dann verschwinden. Da wir aber in Europa eigentlich uns mit guter Bildung brüsten,  sollte man meinen, solche Szenen gibt es nicht. Wie peinlich und vulgär....schade...denn, mit all unserem europäischen Geld kann man sich eben doch kein Benehmen kaufen. 

Nun aber zu etwas Schönem, bevor ich den heutigen Blogeintrag schließe: Martin ist gut hier gelandet und ist von Amadeus begeistert.  Die Kinder lieben seine gewinnende Art und lassen sich gern auf seinen britischen Humor ein.

Martin ist Marathonläufer, was ich ja schon berichtet habe. Heute konnte Martin gleich 2 Dinge von seiner bucket list streichen: Martin hatte seinen ersten Lauf in Kenia mit Kenianern und sein erstes Ugali als Mahlzeit: er fühlt sich mit Recht privilegiert!