Man glaubt es nicht: aber auch in Kenia leiden Menschen zwischen 13 und 19 Jahren am Teenager-Virus: wie Hippos liegen unsere Amadeus teenies auf den Couches herum, geben grunzende Antworten, hängen stundenlang am Handy und vernachlässigen die Schule....Ja! Na Gott sei Dank sehe ich endlich mal Gemeinsamkeiten zwischen meiner europäischen und der kenianischen Welt. Wir sitzen im selben Boot!
Trotzdem starten wir den Tag mit Yoga, unserer alljährlichen Routine, und mit einer Körper- und Geistmeditation....wobei manche teenies soweit entspannen, dass sie einschlafen. Auch gut...
Fashion ist natürlich in diesen Lebensjahren lebensnotwendig - auch bei Ossi! Alle Teenies haben sich wahnsinnig über alle eure coolen Kleidungsartikel gefreut- danke an alle, besonders an George!!! Auch das wurde in den Jahren so eine Art Ritual, wo die Jugendlichen um die Koffer stehen, sie öffnen, und schließlich übernimmt Mary das Kommando und teilt gerecht und fair und nach sinnvollen Kriterien aus. Wie sie diese Kleidungsstücke kombinieren und sich präsentieren, ist echt einzigartig und zeigt subtile Kreativität- dazu im nächsten Blogeintrag!
Unser gemeinsames Mittagessen leidet auch unter dem Teenie-Virus (auch das kenne ich all zu gut von meinem Sohn)....einige wollen nicht essen, andere wollen später essen, und wieder andere nehmen sich still schweigend ein Stück Obst und verschwinden in ihre Gemächer. Zurück bleiben die jüngeren Teenies, wo der Virus erst kürzlich eingesetzt hat und noch nicht alle Körperteile in Beschlag genommen hat. So sitze ich am Tisch mit ein paar handvoll Jung-Teenies - aber wir lassen es uns schmecken.
Dieses Jahr dachte ich, es wäre "cooler", meine Teenie-Gruppe Podcasts "spielen" zu lassen- zu Themen, die sie bewegen: Schule, Familie und Umweltbewusstsein. Ich muss sagen, es war interessant zu sehen, wie sie sich zu zweit in Gruppen zusammenfanden und sich vorbereiteten, um dann letztendlich ihren Podcast vorzustellen. Was sie über Schule und Familie zu sagen hatten? Nun, sie begaben sich nicht auf Glatteis mit heiklen Themen, sondern beackerten die wohlbekannten Haltungen: Schule- lange Tage, sehr frühes Aufstehen (3.30h), boarding challenges, Essen, long study hours; Familie: viele Kinder, weil man das so in Kenia macht, Stellung der Frau....naja, so wie es die Kids sehen, ist es normal, dass die Frau den Haushalt schupft- gleichzeitig sehen sie sich (Gott sei Dank!!!!) in Zukunft alle in interessanten Jobs!
Am Nachmittag zwischen 15h und 17h - vor Einbruch der Dunkelheit- waren wir täglich mit einer 4er-Gruppe am Strand, sind dort spaziert und gelaufen für 1 Stunde und danach genossen wir gemeinsam Soda-Drinks am Colobus Strand. Wenn früher die Jungs 8km täglich mit mir gelaufen sind, so sind es jetzt gerade mal 2km und dann gehen sie... Auch die Ladies bei ihren Spaziergängen bekunden eine Art Teenie-Lethargie, die sie daran hindert in einem zumindest irgendwie angemessen Tempo vorwärts zu kommen. - Auch das kenne ich von meinem Sohn....
An einem dieser Tage stand mein jährlicher Friseurbesuch in Ukunda an. Dieses Mal verband ich das mit einem dortigen Mittagessen mit meinen Vollwaisen Amy, Allen und Obama. Die Teenies ließen sich ihr Mittagessen in der ukundischen Gaststube schmecken. Susan nahm ich auch mit, da sie den Beruf "Friseurin" gerade lernt, und ich dachte, das wäre ein spannendes Erlebnis und kann zudem auch mithelfen! Und das tat sie auch! Natürlich erkennt man, dass sie noch langsam die Zöpfe knüpft, doch lächelt sie von einem Ohr zum nächsten und ist voll motiviert! Sie verdiente sich sozusagen auf jeden Fall einen kleinen monetären Beitrag von meiner Seite.
Eines meiner jährlichen Aufgaben ist, die Zeignisresultate mit den Kindern einzeln zu besprechen. Wir haben Teenies mit super Noten, wir haben aber auch Teenies mit ziemlich schlechten Noten....auch dem Teenie-Virus geschuldet. Ein paar von meinen großen Jungs brauchen zumindest einmal im Jahr klare Worte. Bei einem meiner leistungsschwächeren Jungs bemerkte ich ein Armband mit einem Mädchennamen darauf....ob da der Grund der Schulvernachlässigung begraben liegt? Nein, schüttelt er vehement den Kopf- naja, wer's glaubt. Ein anderes Gespräch ließ sich so an "Ja, ja, dieses Jahr haben die akademischen Bemühungen von meiner Seite leider keine Früchte gezeigt, aber mit Gottes Hilfe werde ich wieder meinen Weg finden ", schwafelte ein anderer 17-Jähriger. Ich kürzte seinen Redeschwall ab und schaute ihm tief in die Augen und raunte ihm zu, er solle sein Geschwafle jetzt einstellen und teilte ihm in Klarheit mit," Wenn du so weiter machst, kannst du mal Fischer sein und für Restaurants fischen. Ist ja auch nicht schlecht....". "Nein, nein", betonte er, " das wäre kein guter Beruf". "Warum nicht?", unterbrach ich ihn, "oder willst du mir sagen, Jesus hatte einen schlechten Job gewählt...?" Daraufhin musste er lachen...wir einigten uns, dass er einfach die Schule ernst nehmen soll und lernen soll.
Tja, und so vergingen diese Tagen mit den Jugendlichen....bis der Höhepunkt nahte- aber das ist eine andere Geschichte und wird im nächsten Kapitel besprochen! 😀














