Eine meiner sehr klugen und weisen Freundin Elisabeth- an dieser Stelle ein großes Dankeschön an dich, da nichts von dem, das ich jetzt berichten werde, je ohne deine Organisation und Expertise stattgefunden hätte - hat etwas sehr Richtiges gesagt:"Bloß keine Safari vorab zerreden!" So ist es: mit großer Demut, Stille und Ehrfurcht soll man in diese Reise (Safari) gehen. Jede Safari ist anders, und ich habe schon von vielen unterschiedlichen Safaris, die ich in den letzten 14 Jahren hier gemacht habe, berichtet. Und so auch diese Safari mit Martin- es gilt immer herauszufinden, welches Lied, welche Arie, welchen Beat, welchen Rythmus, welches Gedicht, welche Ballade, welches Sonnett, welchen Tanz die jeweilige Safari diktiert- und zumeist dauert es nicht lange, das zu erfühlen, was dir die Savanne sagen will: in diesem Fall handelte es sich um einen Walzer.
Warum Walzer? Mit dem Eintauchen in diese Reise war es klar, dass von Beginn an elitär mit authentisch sich abwechseln würde, dass in beschwingter Bewegung in klassischem Rhythmus die Tierwelt uns begegnet, und dass die Stille der Natur mit Anmut ihrer Wildnis in der Briese der Savanne uns rhythmisch entgegen weht. Es war ein Walzer in all seinen Varianten: mal war es Rechtswalzer, mal Linkswalzer, manchmal sogar ein Rechts- oder auch Linksfleckerl und einige andere Male war es ein langsamer Walzer: aber es war immer ein Walzer. Nun aber konkreter:
Elitär: zunächst begann unsere Reise in die Mara in einem 12-Sitzer Kleinflieger, in dem einzig und allein Martin und ich Platz fanden- ja, wir waren die einzigen im Flieger, der von einer anmutigen Pilotin navigiert wurde, die uns nach 2 Stunden und 10 Minuten in einer der airstrips der Mara absetzte - mehr VIP konnten wir uns nicht fühlen. Dort am airstrip wurden wir von unseren zwei Fahrern (auch das ist ungewöhnlich elitär, da man normalerweise nur 1 Fahrer hat) in einem elitären Jeep, der wiederum nur für uns 2 bestimmt war...so hatten wir also knappe 3 Tage elitäre game drives, die nur auf unsere Bedürfnisse und Interessen abgestimmt waren...wieder VIP. In unserer Lodge waren nur sehr wenige Gäste und wir speisten entweder alleine auf einer Tafel, die auf die Savanne blickte, oder an der zentralen, elitär gedeckten Tafel, an der der Mzee (der Rangälteste der Maasai) den Vorsitz hatte und mit uns privat konversierte- wieder VIP. Wir hatten ein Zelt, das über das Tal hinwegsah, Wärmeflaschen im Bett, warme Dusche sowie Bademäntel und eine Terrasse von einer Größe, wo man einen Walzer hätte tanzen können. VIP und elitär....
Authentisch: die Savanne kann nicht anders als authentisch sein - ihre Farben, ihre immerwährenden Gesetze, ihre Einzigartigkeit. Wir hatten das Glück eine authentische Lodge gewählt zu haben: eine Maasai Lodge, die von echten Maasai geführt wird- und keine Luxus-Lodge mit Swimming Pool und Firlefanz. Uns stand ständig ein Maasai zur Verfügung, der uns Kaffee, Wärmeflaschen, Regenschirme, etc brachte und uns morgendlich um gewisse Zeiten aufweckte. Das Essen wurde auch von Maasai zubereitet und persönlich serviert und, wir alle bekamen das, was an diesem Tag eben frisch gekocht wurde- kein Buffet oder sonstiges à la carte Dinner, sondern authentische Maasai Küche. Martin konnte nicht oft genug betonen, dass er noch nie so gut gegessen hatte. Mit dieser Maasai Grundauthentizität, die die Savanne und ihre Gesetzmäßigkeiten respektieren, huldigen und konservieren, wurde der authentische Grundrhythmus des Walzers bestimmt.
Walzer: vom ersten Moment an präsentierte sich die Savanne im 3/4 Takt: die Tierwelt in all ihrer Vielfalt war stetig in anmutiger Bewegung: die Gnus, die Zebras, die Antilopen, die Gazellen, die Impalas waren auf dem Weg von der Serengeti zurück in die Mara - " the great migration". Die Giraffen spazierten schon morgens vorbei an unserer Terrasse mit ihren schlaksig langen Beinen und ihren langen Hälsern, die mich immer wieder fragen lassen, wieviel Bandscheiben sie wohl haben und ob sie mir nicht eine von ihnen anstelle von meinen kaputten abgeben könnten. Die Baboon Affen liefen beschwingt mit ihren Familien herum und spielten im Dreiviertelakt. Die Impala Boys rangelten um den Vorsitz im Revier- und nie ohne den Walzerrhythmus einzuhalten: einmal war der eine Impala-Mann dran und dann wieder der andere, um die nächste Runde zu drehen. Die Elefanten marschierten im Gleichschritt uns entgegen und alle waren sie im Einklang: klein wie groß. Hyänen und Geier machten sich im stimmigen 3/4 Takt an die Verspeisung des verendeten Hippos - nie im Chaos, immer im Takt. Sogar der Leopard setzte elegant seinen Sprung zum Linksfleckerl an - so elitär, authentisch, elegant, anmutig und taktvoll zugleich. Die Nilpferde schwammen im Takt nebeneinander. Auch der Löwe suchte in erhabener 3/4 Geschwindigkeit einen Schattenplatz nach dem anderen, um schließlich im langsamen Walzer in einem Gebüsch sich so lange von einer Ecke zur nächsten zu drehen, bis er in der Endpose des langsamen Walzers verhielt. Einzig der Büffel lag in samtigen Decke der Savanne- doch wenn man genau hinschaute, so wog auch er sein Haupt im 3/4 Takt...Das lange Gras der Savanne wehte im Takt der leichten Briese. Kurzum, wohin man auch blickte, es galt: alles Walzer!
Konkreter: was sahen wir? 4 von den 5 Bigs (Löwe, Büffel, Elefant, Leopard - kein Nashorn: die sind vor allem in der Mara sehr selten!) und 5 von den 5 Uglies (Warzenschwein, Hyäne, Marabustorch, Geier, Gnu). Was kann man sich mehr wünschen? Schaut selbst:
Die Krönung des Walzers war der Savannenwalzer bei unserem Mittagessen inmitten der Savanne. Wer sich nun fragt, ob wir nicht Bedenken hatten, dass wir selbst als Mittagessen für einen Löwen enden könnten? Wohl kaum: 1. Wir hatten 2 Maasai mit, die wissen, wo man was tun kann. 2. Ich kann mir nicht vorstellen, warum irgendein fleischfressendes Tier sich für junk food essende Menschen entscheiden würde, die - in unserem Fall - auch schon eher "altes Fleisch" darstellen...nein, so blöd und geschmacklos ist kein Tier.
All diese Tiere in ihrer Unterschiedlichkeit und Einzigartigkeit geben einander space und begegnen einander mit Respekt und Empathie (etwas, das wir Menschen wohl nie schaffen werden- aber das habe ich auch schon oft genug in früheren Blogeinträgen besprochen. Und deshalb haben sie auch das volle Recht den Planeten zu übernehmen, wenn wir es geschafft haben, uns gegenseitig auszurotten.). Sie haben ihr Paradies in diesen Tagen mit Martin und mir geteilt, ohne Geld zu verlangen, ohne ein Visum zu kontrollieren...Sie gaben rücksichtsvoll ihren Platz auf und standen auf, bewegten sich zur Seite, wenn wir mit unserem Jeep noch näher in ihre Privatsphäre kommen wollten- ohne sich zu beschweren, ohne mit uns zu schimpfen, ohne ihren Unmut gegen uns zu richten. Was soll man noch mehr sagen? Doch, noch ein letztes Wort: ich hörte gestern eine ö1 Dokumentation, die das Leben einer Frau in der Wildnis um den Mount Kenya beschrieb. Sie lebte dort über 50 Jahre mit wilden Tieren. Woran sie starb? Sie wurde von einem Menschen erstochen.
In diesem Sinne möchten Martin und ich uns bei den Maasai und ihrer Mara bedanken. Die Eindrücke des Savannenwalzers werden immer Teil unseres Lebens sein. Asanthe sana, Maasai Mara!


























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