Montag, 19. August 2019
Going banana...
Wir haben 3 Kinder in unserem Kinderheim, die Vollwaisen sind. Und auch das stimmt nicht. Um genau zu sein, sind es Findelkinder, die ihre Herkunft nicht kennen - weder ihren Geburtsort noch ihre Verwandten....sprich keinen Anhaltspunkt zu ihrer Biographie haben. Um es auf den Punkt zu bringen : sie sind survivors. Ihre Wunden heilen langsam bei uns im Amadeus. Dennoch, es sind glückliche Kinder und wenn ich es nicht wüsste, würde ich nie erraten, welches Schicksal sie schon durchmachen mussten: Amy, Allen und Obama - alle 3 sind 9 Jahre alt. Besonders stolz bin ich auf Amy, die die Klassenbeste ist! Die 2 Jungs sind weit entfernt von blöd, dennoch ein bisschen faul, mit einer gehörigen Portion Schalk in den Augen! 😎
Die restlichen Amadeus Kinder bekommen immer wieder Besuch von ihren Familien - Familien, die sie nicht ernähren konnten oder Eltern, die sie im Stich ließen, jedoch aber die Großeltern sie immer wieder besuchen. Einmal im Jahr, während ihrer großen Ferien - also zu Weihnachten, wenn es hier sehr heiß ist - dürfen sie auch für eine bestimmte Zeit nach Hause zu ihren Herkunftsfamilien. Es passiert jedoch häufig, dass Kinder Amadeus kontaktieren und um Hilfe bitten, da sie nichts zu essen dort haben. Dann schicken wir Geld für Mehl und Mais hin. Die Kinder sind auf jeden Fall sehr froh, wenn sie wieder zurück im Amadeus sind, wo die Teller voll mit Essen sind. Und trotz aller Armut und Probleme, so freuen sich die Kinder, ihre Verwandten einmal pro Jahr zu besuchen....alle, bis auf Amy, Allen und Obama, die allein im Amadeus zurück bleiben.
Ich weiß, dass nichts eine eigene Biographie ersetzen kann, und doch versuche ich, eine Art Tante zu ihnen zu sein. Während ich den Amadeus Kindern einen Gesamtbrief zu den Festtagen an alle schreibe, so schreibe ich meinen 3 Kindern einzeln einen Brief und bringe ihnen Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke mit. Dieses Jahr hab ich ihnen 3 Schneekugeln zu Weihnachten geschenkt und 3 Puzzles zu ihren Geburtstagen.
Was die Familienbesuchstage angeht, so hab ich mir dieses Jahr etwas ausgedacht: wir haben nun den Spieß mal umgedreht; während sonst alle das Kinderheim verlassen, um ihre Verwandten zu besuchen, machten nun nur meine drei Kinder mit mir einen Ausflug. Alle schauten mit riesigen Augen, als Amy, Obama und Allen mit Ossi und mir im Auto davon fuhren.
Ich hatte einen banana boat ride gebucht. Wir fuhren also zum Strand, blödelten dort noch ein wenig herum, bevor wir das Bananenboot bestiegen und für eine halbe Stunde einen Riesenspaß hatten:
Um den Spaß abzurunden, drängten wir uns in ein tuktuk und ließen uns ins kokkos bringen, um dort uns mit Kuchen voll zu stopfen - allein, dass sie mit Messer und Gabel den Kuchen schneiden wollten, zeigte, dass es für sie das erste Mal war, dass sie einen Kuchen aßen.
Es war ein wunderschöner Nachmittag und wenn ich diese lachenden Kinderaugen sehen durfte und diesen Spaß mit ihnen teilen durfte, so machte es mich überglücklich. Immer wieder beobachtete ich sie, wie ihre weißen Zähne herausblitzten, wenn sie sich vor lauter Lachen am Bananenboot nicht mehr halten konnten. Und ich erinnerte mich, als wir Amy als Baby bekamen und ich ihr so oft versuchte, sie zum Lachen zu bringen - ohne Erfolg. Sie blieb lange verschlossen... War es ein Wunder? Ihre Mutter hat wiederholt versucht, sie umzubringen. Und nun? Nun ist sie da und blüht auf und an diesem Nachmittag hatte sie nur zu lachen.... Und ich? Ich war froh, dass wir im Wasser waren und somit meine Tränen aus Rührung und Freude sich mit dem Meerwasser vermischten. Ja: Geben ist mehr wert als Nehmen.








