Wie gut man hier in Kenya von der kostenfreien und wertvollsten Droge Gebrauch machen kann: Schlaf! Der österreichischen Hitzewelle entflohen, hole ich jetzt in Ruhe Schlaf nach .... wohlwissend, dass man Schlaf ja nicht nachholen kann.
Kenia bringt die besten Voraussetzungen für eine gute Schlafperformanz mit: Juli und August haben moderate Temperaturen: 25 bis 29 Grad, und am Abend weht eine angenehme Brise durch den Busch. Die meereshaltige Luft tut das Übrige. Die Stille im Busch, das Summen der Grillen, die Affen, die ihren Familienrat des Abends abhalten, das leise Meckern der Ziegen lullen einem in einen erholsamen Schlaf.
Aber der richtige Kick, der den Schlaf erst richtig boostet, ist die Dunkelheit. Wie ich ja schon oft berichtet habe, wird es um 18h dunkel. Man kann dem Sonnenball innerhalb von Minuten am nahen Horizont hinter den Palmen untergehen sehen, und dann ist es pechschwarz. Es gibt keine Straßenbeleuchtung im Busch - es gibt ja auch keine Straßen sondern ein paar Wege, die man im Dunkeln auch nicht mehr erkennen kann. Dieses Fehlen an Licht macht angenehm müde und das begehrte Schlafhormon Melatonin wird frei gesetzt. In Europa wird damit Geschäft gemacht: es lässt sich in Kapseln oder Ähnlichem kaufen, was freilich nicht viel bringen kann, wenn alles rund um einem hell beleuchtet ist. Die unverlässliche Stromversorgung in unserem Kinderheim hier bringt nur schummriges Licht, das je nach Intensität flackert, mal ganz ausgeht, dann wieder mäßig leuchtet. Kurzum, zwischen 18h und 20h werden die Augen immer müder, und man geht um 20.30h freiwillig gerne ins Bett. Mit meiner mitgebrachten Leselampe lese ich dann noch ein wenig bis der Körper und Geist abschaltet und sich dem süßen Schlaf hingibt, der bis zum nächsten Hahnenschrei andauert und auch dann noch dösend voranschreitet. Meine Garmin-Uhr trackt meine Schlafperformanz und ist entzückt! Und ich fühle es... nach allen durchmachten Schlafstadien fühlen sich mein Körper und mein Geist fit für den nächsten Tag.
Wenn der Kaffee am Gasherd brodelt, die passion fruits, Ingwer, Zitronen, Orangen, Bananen, Nüsse und Yoghurt meinen Tisch zieren und im Hintergrund meine Musikbox den Soundtrack "Jenseits von Afrika" trällert, dann ist meine kleine afrikanische Welt in Ordnung. Ja, ich weiß, war ihr jetzt denkt....und ich denke es auch. Die kleine Karen Blixen auf ihrer kleinen Farm und rings herum die Armut...wie kann man da den eigenen Luxus genießen. Stimmt schon. Trotzdem, ich begegne der kenianischen Welt auch außerhalb meiner Mauern Mut offen Ohren und Augen und sehe Armut, hören tu ich gleichzeitig nur Lachen. Ich habe in den letzten Tagen mehr Lachen gesehen und gehört als in den letzten Monaten in Österreich. Wenn ich in Wien die Fenster zum Hof offen habe, höre ich so oft Geschrei, Streit, Zank - manchmal in einem Ausmaß, der mich überlegen lässt, die Polizei zu rufen, da es fast schon gefährlich klingt. Und ich frage mich, wie schon so oft: wie kann es sein, dass ein reiches Europa so unglücklich ist und die armen Gebiete in Kenia so glücklich wirken?
Aber bevor meine Schilderung von einem perfekten Kenia zu kitschig werden, so wird man sowieso hier von der Realität eingeholt. Wir hatten gestern den ganzen Tag und Nacht über weder Strom noch Wasser. Auf Strom kann man leichter verzichten, denn mit Gas kann man ja kochen und Kerzen haben wir auch...aber Wasser ist eine bittere Notwendigkeit. Unsere Kinder schwirren hinaus bevor es pechschwarz wurde und holten vom Brunnen Wasser in großen Kontainern. Und dann überlegt man genau, wie man das kostbare Nass einsetzt: zuerst trinken, dann Hände waschen, dann den Rest des Körpers waschen und das schmutzige Wasser schlussendlich zum Nachspülen des Klos verwenden.
Und wenn dann irgendwann wann wieder Strom funktioniert, kann auch wieder Wasser gepumpt werden... und falls sich jemand fragt, wie all das geht mit Handy, so ist eines sehr bald klar: entweder man hat mal kurzfristig Internet, aber dann ist der Akku leer, weil man keinen Strom hat, um aufzuladen....oder das Handy hat Akku, aber man hat kein Internet.
Und somit komm ich zum letzten Schlafräuber: Blaulicht- hier haben wir diesen Räuber nicht....und das ist ganz sicher die beste Schlafvorausetzung!
Lala salama - schlaft gut!



