Wenn um 2.45h der Wecker läutet, dann macht man zunächst ein dummes Gesicht, weiß aber sofort, was es geschlagen hat: Reisezeit – Juhu! Um 3.30h wurde ich pünktlich von einem Taxi abgeholt und zum Flughafen gebracht. Nach einer einstündigen Flugzeit und einem schnellen Kaffee (der wird hier immer brennheiß serviert) war ich auch schon in Nairobi. Wenige Minuten später saß ich auch schon im Safari Jeep mit einem römischen Pärchen und unser Ziel war Lake Nakuru – eine dreistündige Autofahrt - mit Nairobis wahnsinnigen Verkehrsaufkommen einberechnet.
Lake Nakuru ist mit seinem 30km2 großen salzhaltigen See weltberühmt für seinen Vogelreichtum, insbesondere für die beinahe den ganzen See bedeckenden Flamingoschwärme von bis zu 1,5 Mio. Tieren! Mein erklärtes Ziel war es, Flamingos und Nashörner zu sehen. Doch mir wurde weit mehr geboten: ich sah Rothschild-Giraffen, Hyänen, Büffel, Zebras, Impalas und Gazellen. Ein besonderes Highlight war eine Löwin, die gerade einen Büffel genüsslich verspeiste… sehr beeindruckend! Letztendlich sah ich auch eine schwarze Nashornfamilie (Vater, Mutter, Kind) und ein weißes Nashorn und natürlich tausende Flamingos, Pelikane und anderes Fluggetier. Der Lake Nakuru Nationalpark ist sicher einer der kleinsten Nationalparks in Kenia, aber mit dem See inmitten und der abwechslungsreichen Landschaft mit Savannen, Wäldern, Wasserfällen, Felsen und Sumpfgebieten gefiel er mir außergewöhnlich gut!
Nach einem labenden Abendessen fiel ich um 21h vollkommen erschöpft in mein Bettchen – voll froher Erwartung was mir der nächste Tag meines Kurzurlaubs bescheren würde. Auch der nächste Tag begann sehr früh: um 7h holte man mich von meiner Herberge ab und auf ging’s nach Nairobi zu einer intensiven Stadtbesichtigung. Meine italienischen Mitreisenden fuhren weitere sechs Stunden nach Amboseli … ich beneidete sie ob ihrer Monstertour nicht. Aber zunächst musste man mich in Nairobi absetzen, wo mich dann ein Städteführer abholen sollte. Und so stauten wir uns ins Zentrum von Nairobi – endlos! Schließlich verlor unser Fahrer die Geduld, machte mitten auf der Strasse kehrt, setzte mit seinem Jeep über die Strassenabgrenzung und fuhr auf die gegenüberliegende – freie – Schnellstrasse…als Geisterfahrer. Da rutschte sogar mir ein „Sind Sie wahnsinnig? Wir sind hier Geisterfahrer!“. Er hingegen meinte gelassen „Aber nein, die sehen uns ja eh und weichen aus.“ Und so war es auch. Nur folgten die meisten anderen unserem Beispiel und so verstopfte sich bald auch die „Geisterfahrbahn“. Ich habe keine Ahnung wie – ich schloss die Augen und Frieden mit der Welt – aber irgendwann erreichten wir den Treffpunkt und mein zweites Programm konnte beginnen!
Kenia ist ein sehr junges Land und das fühlt man auch in Nairobi. Vor 100 Jahren war diese Stadt noch nicht erkennbar; Massai trieben damals noch ihre Rinderherden durch ihre Gebiete dort. Heute bestaunt man eine Skyline vom Uhuru-Park aus. Nairobi liegt auf dem Hochland und ist deshalb auch kühler als der Rest Kenias: ich war froh, einen dicken Fleece-Pulli und lange Stutzen im Gepäck zu haben! Die Massai nannten den Platz „Ort des kühlen Wassers“ (enkare nairobi) und die weißen Siedler wussten ihn als klimatisch angenehmen Hochlandwohnsitz zu schätzen – und tun es noch immer! Und so sind 80% der Stadtfläche – im westlichen und südlichen Teil – vorwiegend von der Oberklasse (also den Weißen) und ihren luxuriösen Grundstücken genützt. Ich wurde in einen solchen Stadtteil gebracht: Karen. Dieser Bezirk ist nach Karen Blixen, der berühmten Baronin, die hier von 1914 bis 1931 ihre Kaffeeplantage als Frau allein betrieb, benannt. Wir alle kennen die Story aus dem tollen Film „Jenseits von Afrika“, in der unser Brandauer neben Maryl Streepn eine tolle Figur machte! Ich besuchte ihr Farmhaus dort, das heute ein Museum beherbergt. Ja, es stimmt: man fährt in diesen Bezirk hinein und das Stadtbild verändert sich drastisch: grün, keine matatu (Autobusse), kaum Verkehr, riesige mit hohen Hecken und goldverzierten großen Toren abgeschirmte Grundstücke, die gerade die luxuriösen Dächer durchblitzen lassen. Hier wohnen die wazungu (die Weißen). Da sie den Besitz schon vor Kenias Unabhängigkeit – sprich während der Kolonialzeit – erworben haben, und durchaus genug Geld haben, jegliche Veränderung zu „erkaufen“, zahlen sie auch nur €200 pro Jahr Grundsteuer. Jeder Afrikaner zahlt im Zentrum von Nairobi mehr, da es ja im Zentrum ist! Nur hätte man die Wahl, würde wohl jeder im Karen-teil wohnen wollen, da die Umweltbelastung und die Lebensqualität um ein vieles höher ist! Es führt kein öffentliches Verkehrsmittel nach Karen, da man davon ausgeht, dass Schwarze hier nichts zu tun haben – oder sollen sie bloß nicht sehen, wie Reichtum hier gelebt wird? – und die Weißen ja ohnedies Autos haben. Tja – so findet Apartheit auch im 21.Jhdt statt. Naja, was reg ich mich auf - auch in Wien dulden wir Apartheid: Gymnasien für die Inländer und alles andere (nennen wir es halt „kooperative Mittelschule“ – klingt besser) für die Ausländer. Das nenn ich ein entwickeltes Land: Österreich!
Im Osten und Südosten Nairobis sieht man das gegenteilige Elendsbild: Kibera, Afrikas größter Slum: Wellblechhütten, einfachste Behausung und zahlreiche arme Leute auf wenigen Quadratmetern – wie gehen solche Unterschiede zusammen? Ich stand sprachlos auf einem Anhöhen und glotzte auf diese erbärmliche Welt. Hoffnungslos stammelte ich zu meinem Stadtführer, was denn die Regierung dagegen tue. Er zeigte auf einige Wohnungshochhäuser, die für die Slumbewohner gebaut worden waren. Eine Wohneinheit würde KSH 3000 monatlich kosten – was leistbar ist, wenn sich zwei Familien zusammentun. Verblüfft hörte ich ihm zu, als er mir erklärte, dass die Leute kurzerhand wieder auszogen, da sie ihr einfaches Slum-leben vermissten. Sie fanden andere Menschen, die bereit waren KSH 5000 monatlich dafür zu zahlen und machten somit ein Geschäft daraus!
Nairobi hat zwischen drei und 5 Millionen Einwohner – so genau weiß man das nicht, da die Slum-bevölkerung zum Großteil nicht registriert ist. Mein Stadtführer meinte, dass er sehr gerne hier lebt, weil man Arbeit findet – was man im Süden und um Mombasa weniger behaupten kann. Er führte zornig aus, dass die Südkenianer sowieso sehr faul seien, da sie der ehrlichen Arbeit das Anbetteln von Touristen vorzögen. Tja, vielleicht ist da ein Körnchen Wahrheit dabei – ich kann das in dieser kurzen Zeit, in der ich hier sein durfte, wohl kaum beurteilen. Alarmierend in Nairobi ist auf jeden Fall die Luftverschmutzung! Eine Smogwolke hängt über der Stadt und lässt die Sonne kaum durchscheinen. Sehr traurig – aber wenn ich die Autoabgase, die noch keinen Katalysator gesehen haben, so sehe (man sieht sie wirklich: kohlschwarz pufft es aus den Vehikeln!), dann ist es klar, dass das für die Menschen hier nicht gesund sein kann. Alle Pflanzen und Bäume – sowieso eher wenige im Zentrum der Stadt – sind mit einem braunen dicken Staub bedeckt. Aber was das Umweltbewusstsein überhaupt in ganz Kenia angeht, so sehe ich schwarz. Müllabfuhr ist natürlich auch in Ukunda nicht organisiert und so verbrennt jeder Haushalt seinen Müll: der intensive Gestank von verbrannten Plastikflaschen hat mich schon oft beim Laufen begleitet. Schade, dass Entwicklung nicht gleichzeitig mit Umweltbewusstsein Hand in Hand geht. Aber da sich Amerika und Asien wenig drum scheren und auch Europa den Umweltauflagen kaum gerecht wird, warum sollte es ausgerechnet Afrika tun…
Nach einem Mittagessen in einem völlig touristischen Restaurant namens Cornivore Restaurant, das sich auf Wildspezialitäten konzentriert und Touristen massenhaft Büffel-, Straußen- und Krokodilfleisch serviert, ging es zum Giraffe Center, das sich dem Schutz der selten vorkommenden Rothschild-Giraffen widmet. Hier konnte ich dummen Touristen zuschauen, wie sie sich Futter in den Mund steckten, damit es die Giraffe aus ihren Mund schlecken konnte: sehr peinlich!
Mein nächster Besuch galt dem Kenya National Museum, wo mich die Entwicklung von der pre-kolonialen, kolonialen und post-kolonialen Geschichte bis hin zur Unabhängigkeit Kenias 1963 in Atem hielt. Ich hatte schon ein wenig nach so einem typischen Stadterlebnis, wie Museum, gehungert und so kostete ich es vollkommen aus! Als das Museum zusperrte, musste man mir eine Extra-einladung erteilen.
Danach ging’s endlich ins Hotel – ich war todmüde! Das Hotel „Chester House“ liegt direkt im Herzen der Stadt, gegenüber der Markthalle. Ich bezog mein kleines feines Apartment im 11. Stock und hatte von meiner Terrasse aus einen herrlichen Blick über die hell erleuchtete Stadt! Großartig! Und es hat sogar wohlfeile Tarife: €75 für B&B! Nach einem ausgiebigen erholsamen Schlaf erwachte ich mit der Freude, die Stadt mal alleine für mich zu erkunden. Mein Stadtführer holte mich erst um 14h im Hotel ab, und so hatte ich einen vierstündigen Stadtspaziergang vor. Ich studierte die Stadtkarte und machte mich beschwingt auf den Weg. Es ist immer toll, wenn man sich einmal ohne Führung seine Gedanken machen und selbst erfahren kann, wieweit Wege sind, um somit ein Gefühl für die Stadt zu bekommen. Die Innenstadt mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist auf jeden Fall in zwei Stunden zu schaffen.
Ich ging zunächst die Kenyatta Strasse, benannt nach dem ersten Präsidenten Kanias und daher auch der Staatsname, hinunter bis zur Moi Avenue und sah das Hilton Hotel und gegenüber das National Archives mit seiner Nairobi-Fotogalerie; dann ging ich wieder zurück bis ich zum Jevanjee Garden kam; danach bog ich den University Way ein und stieß auf Nairobis University Campus – sehr anmutig! Ein Stückchen weiter kam ich zum ältesten Hotel Nairobis – dem Norfolk Hotel, das mit seiner Fachwerkfassade und der englischen Terrasse besticht. Eigentlich hatte ich vorgehabt, dort einen Kaffee einzunehmen, doch die vielen wazungu irritierten mich nach meiner doch 8-wöchigen schwarzen Umgebung und so machte ich mich auf den Weg zurück und zog meine gewohnte Gesellschaft vor. Der University Way macht einen Bogen und führt zum Uhuru Highway (alles was in Kenia asphaltiert ist, nennt sich highway) und dort beginnt auch der Central Park, der in den Uhuru Park übergeht. Dieser Park lädt zum Verweilen ein: viele Nairobier säumen hier die Parkwege und inmitten befindet sich ein großer Teich, wo man sich ein Tretboot ausborgen und damit fröhlich auf und ab treten kann. Dieser Park bietet auch eine spektakuläre Fotokulisse mit der Skyline von Nairobi! Außerdem kann man auch Kinder auf den Rücken von Kamelen bewundern – alles in allem taucht man in eine sehr heitere Atmosphäre ein! Dort genoss ich auch einen Kaffee und rastete ein wenig.
Nach dieser Stärkung setzte ich meine Entdeckungsreise fort und nahm den City Hall Way und bestaunte den City Square mit seinem Parlamentsgebäude und Uhrturm und dem KICC, dem Kenyatta International Conference Center, einem 105m hohen Turm. Dann bog ich in die Wabera Street ein, um dem geschäftigen Treiben ein wenig zu frönen. Doch es war Sonntag und so hatten kaum Geschäfte offen. Dennoch konnte ich die Biashara (biashara ist swahili und heißt business) Street mit den Säulenarkaden vor den Geschäften bewundern. Hier werden Stoffe, Tücher und Kleidung – vor allem Babykleidung - verkauft; leider hatten auch diese Geschäft zu und so konnte ich nichts den in meinen engsten Freundschaften bald geborenen Babys mitbringen….Saftladen! (Obwohl … mein Gepäck hätte es eh nicht mehr erlaubt!)
Eine Straße weiter fand ich wieder zum City Market, das gleich gegenüber von meinem Hotel war. Dem stattete ich zum Abschluss noch einen kurzen Besuch statt und kaufte mir zwei kleine Stück Samosa (von Blätterteig umhüllten gewürzten Faschierten), bevor mich dann mein Stadtführer wieder abholte und mich zum letzten Highlight meiner Reise bringen sollte: zum Freilichtmuseum Bomas von Kenya. Mit den traditionellen Wohnstätten verschiedener Stämme und seinen professionellen Tanzdarbietungen stellte dieser Besuch den idealen Abschluss meines Nairobi-Aufenthaltes dar. Um 18.30h war ich am Flughafen; um 20h erreichte ich Mombasa und kurz vor 22h war ich wieder im Amadeus, wo mich alle nannies auf den Stufen draußen sitzend erwarteten mit vielen Umarmungen und dem schönsten Satz der Reise „We missed you!“