Dienstag, 25. August 2026

Service is our success....?!

Der Dienstleistungssektor oder auch terziärer Sektor eines Staates ist ein maßgeblicher Indikator seines Entwicklungsstandes. Ich lass das so mal stehen und ihr entscheidet selbst, wie sich da Kenia einfügt ...

Zu meiner Friseurin, wie ich seit Jahren berichte, gehe ich seit vielen Jahren. Warum? Weil der Preis für mich paßt,  aber vor allem, weil man sich auf sie verlassen kann.  Sie antwortet zügig auf eine Nachricht, und sie ist auch wahrhaftig da, wenn man dann zum Termin kommt. Das ist hier nicht selbstverständlich und hat mich schon zig Male in den Wahnsinn getrieben....

Prinzipiell braucht man 2 Eigenschaften, um das Service hier zu genießen: Geduld und Zeit. Zunächst spielt sich meist folgende Szene ab: man möchte eine Dienstleistung und sieht ein Geschäft und geht hinein...konkretes Beispiel: ich möchte eine Massage. Da es kaum Touristen gibt, wollen sie dir dieses Service immer sofort anbieten. Ich ziehe es vor, mir einen Termin auszumachen,  denn spontan hab ich nicht 2 Stunden Zeit...warum 2 Stunden? Da kommt der Faktor Zeit ins Spiel. Aber dazu später. 

So, das ist schon mal der erste Moment, wo Dienstleistung kompliziert wird: Sie wollen etwas sofort anbieten,  weil sie befürchten,  ich würde  mir etwas ausmachen und dann nicht auftauchen- das lässt aber schon meine europäische Moral nicht zu; aber das können sie wiederum nicht wissen. Meine Erfahrung aber hat mir auch gezeigt, dass beim Termin es durchaus sein kann, dass sie dann nicht da sind....Kurzum, vom ersten Moment an, liegt eine leise Spannung in der Luft. 

Also, typisches Szenario: man kommt zum Termin....niemand da. Man fragt die Nachbarn. Die sind dann immer sofort beim Telefonieren und sagen: sie kommen sofort! Das "sofort" kann von 15 min bis zu 1 Stunde dauern. Sie halten dir dann auch den Hörer zum Ohr, worauf du dir dann anhören kannst, dass sie eh quasi um die Ecke sind und eigentlich schon da sind....aha....Natürlich ist es auch schon oft vorgekommen,  dass ich dann angefressen abzische,  weil ewig warten will man nicht. In der Regel kommen sie aber, wenn man gerade übel gelaunt, gehen will. Das ist dann der 2. Moment, wo die Spannung in der Luft steigt....

Und dann kommt das, was mich dann zumeist- außer ich bin bestens gelaunt und habe viel Zeit (also eher selten) - in den Wahnsinn treibt: sie sagen, die Dienstleistung findet woanders- überhaupt nicht weit, sagen sie - statt, meistens,  weil an dem besagten Standort etwas fehlt und der andere Standort alles hat, was sie brauchen.  Dann findest du dich in einem Tuktuk wieder und nach 5 Minuten Fahrt schnappe ich nach Luft und fahre sie an: Wo zum Teufel ist das? Und sie solle doch mal "gleich um die Ecke" definieren!!! Das ist dann der 3. Moment,  was dann fast mein Wasser zum Überlaufen bringt.

Nach 1 Stunde nach dem fixierten Termin ist man dann -im wahrsten Sinne des Worte- streichfähig und  bereit für eine Massage. Manchmal denke ich, vielleicht gehört das ganze Vorspiel mit zum Deal? Nur genießen kann ich es halt mit meinen europäischen Wurzeln nicht - das ist aber vielleicht meine Bringschuld.

Nun, jetzt kommen wir zum eigentlichen Servicebereich.  In meinem konkreten Beispiel war es eine Massage bzw Body scrub. Das können sie eigentlich recht gut und arbeiten mit ätherischen Ölen und guten Düften. Sie lassen eine entspannende Musik im Hintergrund laufen - meistens zu laut, um ein anderes Geräusch,  das einen wahnsinnig macht, zu überspielen: Stromaggregat. Und wenn es das nicht ist, ist es zumindest irgendein anderes nervöses Surren, Ticken oder Zischen, das einem fürchterlich auf die Nerven fällt. 

Sie rubbeln deinen Körper mit groben Kristallen ab, was sich angenehm anfühlt. Nur dürfte ihnen nie jemand beigebracht haben, dass es Stellen am Körper gibt, die empfindlicher sind, als andere. In meinem Fall hat sie meine Achsel wund geschruppt. Meine zweite Achsel konnte ich noch retten. Also, der Großteil meines Körpers fühlte sich verjüngt und frisch an. Doch die wunde Achsel übertönte dieses Gefühl- ein bisschen wie das Stromaggregat die Entspannungsmusik....

Anderes Beispiel: Augenbrauenzupfen. Bis man zum Augenbrauenzupfen kommt,  spielt sich das gleiche Szenario ab. Der eigentliche Akt wäre in 10 Minuten erledigt. Hier dauert es 45 Minuten...Ich dachte schon, meine Augenbrauen werden zu einem Kunstwerk hochstilisiert....aber außer, dass mir auch ein Stückchen Haut entfernt wurde (autsch!),  konnte ich wenig an Kunstwerk erkennen.  Um fair zu bleiben: sie haben schon was gemacht, aber das Resultat stand dem Zeitaufwand zu keiner Relation. Aber bei diesem Beispiel passierte etwas, das auch oft im Dienstleistungssektor vorkommt: du möchtest Service A, bekommst aber spontan und unbesprochen Service B dazu. In meinem Fall: du hast die Augen geschlossen (Augenbrauenzupfen!) und plötzlich wird dein Bein aufgehoben und massiert. Im ersten Moment schreckst du auf, weil du glaubst, du wirst attackiert! Dann, nach diesem Schreckmoment, verstehst du, sie wollen dir etwas Gutes tun...das sie im Nachhinein in Rechnung stellen wollen - was ich dann wiederum nicht akzeptiere. Das resultiert dann in den nächsten und letzten angespannten Moment der Serviceleistung. 

Ich muss auch nicht extra erwähnen,  dass man die ganze Zeit über sowieso immer die Tasche mit den Wertgegenständen im Blick bzw am Radar hat. Ossi erfüllt diese Funktion als Bodyguard- recht ungern oft...was ich auch verstehe....weil: stundenlang irgendwo auf einem unbequemen Schemel zu hocken mit meiner Tasche am Schoß, ist jetzt auch kein Highlight für ihn. Außerdem kennt Ossi den kenianischen Servicebereich nur zu gut und kann alles sehr realistisch abschätzen. Zitat " alles klar, Mama. Also den morgigen Nachmittag mit deiner Massage kann man also abschreiben " - und recht hat er. Das letzte, was mich schlussendlich auch stresst, ist die Uhr. Ich möchte vor Sonnenuntergang alles erledigt haben....tja, und das ist nun mal 18h. Mit der Autofahrt einberechnet,  muss ich um 17.30h aufbrechen. 

Ein weiteres Beispiel: es gibt ein wunderschön authentisches Fischlokal am Strand - zumeist leer, da es an der untouristischen Seite von Diani liegt, und ein Blick sagt dir, dass das nichts für normale europäische Touristen ist. Mir gefällt es aber - vielleicht auch gerade deshalb- sehr gut. Nur wiederum,  Hunger darfst du nicht mitbringen.  Zig Male spielte sich schon das selbe Szenario ab. Du gehst zum Lokal und dann darfst du dich am besten Tisch mit gigantischen Ausblick auf den Ozean hinsetzen- es sind eh alle Tische frei...aber man bedankt sich für das Privileg und bekommt die Speisekarte.  Mittlerweile weiß ich: was man auch immer bestellt, man bekommt das Gleiche - eben das, was er an diesem Tag frisch hat....und das ist auch gut so. Mittlerweile weiß ich das auch. Trotzdem möchte der Kellner, dass ich ihm gezielt auf der Karte zeige, was ich haben will....wie eine Art Ritual,  auf das er nicht verzichten will. Warum? Keine Ahnung.  So, und dann kommt das Spiel der Warterei. Ich weiß ja, wo der kleine Kobel von Küche ist und ich weiß auch, dass da niemand- kein Koch - drinnen ist. Wenn man nach 30 Minuten nachfragt, so kommt die typische Antwort," Ist gleich soweit" und du weißt natürlich,  dass es überhaupt nicht soweit ist. Wenn man schon länger im Land ist, bekommt man natürlich auch mit, wie sie verstohlen telefonieren und sich ewig nichts tut. Sie versuchen nämlich,  den Fischer, der the catch of the day bringen soll, und den Koch zu organisieren,  der das Essen zubereiten soll. Nach 1 Stunde - so mein Erfahrungswert - sieht man dann jemanden völlig abgehetzt an einem klapprigen Drahtesel herantreten und heimlich hinter dem Lokal absteigen und ab in die Küche. Jetzt fängt es an, zu duften: herrlich! Und letztendlich heißt es "Tischlein deck dich!" und der Tisch biegt sich mit frischen Meeresfrüchten, Reis, Erdäpfel und Salat. Großartig! Klar, der Hunger ist der beste Koch, aber frisch und authentisch nach Swahili Art ist es allemal...und das um sehr wenig Geld!!  3 Stunden sollte man aber doch insgesamt schon anberaumen. Was ich dabei nicht verstehe: mittlerweile kennen sie mich und wissen, ich schätze ihre Küche. Ich würde halt gerne, während der Wartezeit und ihrer Organisationszeit (Vorbestellen funktioniert im übrigen nicht!) einen Strandspaziergang machen und 1,5 Stunden später wiederkommen. Aber, wenn man das vorschlägt, so sieht man in ihren Gesichtern, dass das nicht geht. Wenn du gehen würdest,  würde dein Essen storniert und das wäre es dann. Also entweder du machst alles von A bis Z mit, oder eben nicht...

Aber wer weiß,  was sie sich alles über mich denken und wie unhöflich oder schräg ich rüber komme....wie in meinem nächsten Beispiel: mir gefällt Henna und ich möchte mir gerne eine kleine Zeichnung auf meinem rechten Unterarm malen lassen. Ich frage eine unserer nannies, und sie hat auch einen Kontakt.  Wir fahren gemeinsam hin, denn Adressen gibt es ja nicht, somit würde man allein nicht hinfinden. Und wieder das ewige Spiel: wir sind zum ausgemachten Zeitpunkt dort. Sie ist zwar da, muss aber noch die Körperzeichnung an einem Mädchen fertig machen und braucht noch 50 Minuten.  Gut, wir fahren in der Zwischenzeit zum Markt, sind in 50 Minuten wieder dort. Ich sehe sofort: das dauert noch ewig... die Beine, die Arme, die Fußnägel und Fingernägel....alles wird mit Henna gemacht.  Zunächst sagt die Dienstleisterin, dass man sich überall, wo man will hinsetzen kann. In diesem kleinem Zimmer in einem kleinem Privathaus, gibt es aber keine Möbel: kein Sessel, kein Tisch....nichts. Man setzt sich also auf den Boden. Auch gut. Nur dann werde ich unruhig. Wie lange soll ich noch warten? Ich möchte vor Dunkelheit im Amadeus sein, auch weil ich noch mit den Kindern Programm habe und auch, weil ich eben aus besagten Gründen am Abend nicht unterwegs sein will.  Meine europäische Stimme sagt mir: ich möchte bloß eine kleine Blume am rechten Unterarm haben, das dauert vielleicht 5 Minuten,  und dieses 16, 17, oder 18- jähriges Mädchen muss sowieso immer wieder warten, bis Stellen trocken werden...warum schiebt diese Henna- Künstlerin mich nicht einfach ein? Und das funktioniert aber nicht. Vorgeschlagen hätte ich es....Ich war schon kurz beim Überlegen einfach zu gehen, bis sie dann doch sich meinem Unterarm widmete. Wie gesagt,  ich wollte etwas Kleines....das ging nicht: sie bemalte- wunderschön- meinen rechten Unterarm. Als sie sich dann meinem linken Unterarm zuwenden wollte, sagte ich nein- ich wollte ja schließlich nur etwa auf einem Arm u d nicht auf beiden. Ich sah auf ihrem Gesicht, dass das ganz und gar unverständlich war... sie meinte auch:" this does not make sense!!" Hmmm. Trotzdem,  ich beharrte darauf, bezahlte und ging - sehr beseelt, weil es wirklich eine schöne Zeichnung war. Ich hatte bekommen, was ich wollte. So. Tage später wurde ich von einer europäischen Freundin,  die schon seit 30 Jahren in Kenia lebt, aufgeklärt: also - Henna macht man für spezielle Festtage, eigentlich für Hochzeiten. Man ist entweder Braut oder Brautjungfer. Okay - für beides bin ich in Kenia entschieden zu alt. Und dann soll es symmetrisch sein....Auch etwas, das ich total ignoriert hatte. Somit, was dachte sich diese Henna Künstlerin bzw alle, die mich mit Henna am rechten Unterarm sehen? Ich lass es euch über zu spekulieren....im besten Fall bin ich halt ein mzungu, der es nicht besser weiß- was ja der Fall ist.



So, mir fallen noch viele weitere Dienstleistungsbeispiele ein, die mir in den letzten 16 Jahren widerfahren sind. Heute früh hatte ich ein Tuktuk ins Amadeus bestellt....ist es gekommen? Nein. Hakuna matata!



Donnerstag, 20. August 2026

Familien-Safari: Shimba Hills

Da unsere Kinder den Ausflug nach Funzi Island im letzten Jahr so genossen hatten, so wollten wir heuer wieder einen tollen Tag zusammen begehen: Shimba Hills!

Shimba Hills ist nur eine Autofahrtstunde von Amadeus entfernt. Ich hatte 2 Safari- Jeeps und 1 Safari-Bus organisiert. Einen Treffpunkt mit den Fahrern auszumachen,  ist immer schwierig: wie erklären, wo unser Children's Home liegt? Es gibt ja keine Straßennamen im Busch... Somit macht man sich einen Treffpunkt auf der Hauptstrasse aus. Und genauso war es. Um 6.30h war unser Treffpunkt an der einen Biegung, wo man dann hineinfährt Richtung Amadeus und dann noch zirka 15 Minuten fahren muss, um zum Heim zu kommen.  Was ich bei diesem Treffpunkt nicht bedacht hatte, war, dass es ein Affentreffpunkt ist. Ich fuhr mit dem Auto zum Treffpunkt und sollte dort mit einem Schild " Amadeus Children's Home" stehen,  damit mich die Safari-Fahrer erkennen.... Aber große Männer-Affen blockierten das Auto. Einer sprang auf das Dach. Ossi,  der mit mir gekommen war, hatte fast einen Herzinfarkt! Ich hatte auch Bammel auszusteigen. Nach 10 Minuten, die sich anfühlten wie 30 Minuten, sah ich nur mehr kleine Kinder-Affen, die den Erwachsenen-Affen hinterher liefen zur gegenüber liegenden Straßenseite in Richtung Meer. 



Somit stieg ich mutig aus und dann kamen die Jeeps auch schon. Und eines war klar: in solchen Jeeps hattten meine Amadeus Kids noch nie gefahren!



Shimba Hills ist ein Rainforest und keine Savanne wie die Masai Mara. Man kann also nicht erwarten, so viele Wildtiere zu sehen. Und trotzdem sahen wir Antilopen,  Impalas, große Eidechsen und Zebras.






Aber die Hauptattraktion dort ist der Shendrick Waterfall. Man geht 2,5km einen steilen Weg hinunter, um zu dieser Oase zu gelangen. In einem Art Teich sammelt sich dort das Wasser und man kann dort schwimmen und plantschen. Was für ein Spaß für unsere Teenies!!! Über eine Stunde verbrachten wir dort im paradiesischen Nass und hatten jede Menge Spaß!










Danach hatten wir einen 2,5km Anstieg zu bewältigen, um zum Ausgangspunkt zurück zu gelangen.  Ich half Matron, die mit ihren Hüften zu kämpfen hatte.  Sie hätte es sich aber um keinen Preis nehmen lassen, diesen Hotspot zu verpassen. 






Danach fuhren wir zur Rainforest Lodge zu einen Mittagessen,  das ich zuvor gebucht hatte. Es ist eine authentische Safari-Lodge, die auf Sümpfe und Tümpel gebaut ist und einen einzigartigen Ausblick bietet.  Auf Stelzen gebaut, sieht man große Eidechsen sich aalen. Die Kids waren begeistert!

Das Essen, in Form eines Buffets,  war hervorragend,  wenn auch fast ein wenig knapp bemessen. Es gab Pommes, Reis, Cicken wings, Beef-Eintopf, Spaghetti mit Tomatensauce und als Nachtisch Früchteeinerlei.




Nur hatte der Koch nicht mit 13 verhungerten Teenagern sowie auch 4 hungrigen Erwachsenen gerechnet. Wir hatten um 6h Frühstück und mittlerweile war es 14h.... Nach der 5. Person am Buffet waren die Töpfe leer und ich ein wenig sauer: ein self-service Buffet muss einfach stetig nachgefüllt werden. Verärgert wende ich mich zum Kellner und bitte ihn nachdrücklich,  aufzufüllen. Er meinte, es wäre für 17 Leute berechnet! Daraufhin erwidere ich, "Dann stimmt offensichtlich die Berechnung nicht, weil wir sind alle noch hungrig." Nun, es wurde wieder aufgefüllt - peinlich war es mir, denn letztendlich war dieses Gesamtpaket als Safari nicht billig,  und ich wollte, dass alle satt werden. Und das wurden wir dann auch. Der Kellner sagte mir dann einen Satz,  der mir dann für den restlichen Tag zu denken gab: "Hätte ich gewusst,  dass Kenianer und nicht andere Touristen gekommen wären, hätte ich Ugali und Chapatti angeboten." So, was soll das heißen: dass Kenianer nicht auch mal Pommes essen wollen? Dass europäische oder amerikanische Touristen nicht auch mal Ugali probieren sollten? Oder wie? In meinen Augen hat er einfach nicht damit gerechnet,  hungrige Teenager abzufüttern: egal von welchem Land! Ossi war nämlich auch hungrig- ich eigentlich auch!




Nach einem weiteren game-drive, fuhren wir beseelt nach Hause. Schon am Nachhauseweg schliefen viele ein - ich auch. Es war so schön und lustig, und nach einer Safari träumt man am Schönsten!! 

Und um beim Träumen zu bleiben: Mumo, unser 13-jähriger Jüngster, hat einen Traum: er möchte Koch werden, und in Wien ein Swahili Restaurant eröffnen! Wenn das keine tolle Idee ist: ich werde die erste Runde schmeißen!

Chakula njema! Gutes Swahili Essen in Wien - und genug für alle!





















Montag, 17. August 2026

Träume im Fußballfieber

Wir alle haben Träume... phantasieren in Tagträumen, bauen Luftschlösser und verarbeiten Eindrücke im unserem REM Schlaf. Träumen ist also wichtig und zumeist schön!

Meine kenianische Friseurin träumt von einem reichen Europäer,  der sie mitnimmt ins gesegnete Europa, sie liebt und finanziell bis ans Lebensende aushält. 

Viele Amadeus Kinder träumen von einem europäischen Fußball-Team, das ihr Talent erkennt und sie nach Europa bringt, wo sie glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende sein können. 

Soll man ihnen also auch noch ihre letzten Träume nehmen, indem man ihnen die Wahrheit einschänkt? .... Träume sind Schäume....oder soll man warten bis das Ferdinand Raimund Zitat von allein zuschlägt: "Dann setzt das Schicksal den Hobel an und hobelt alles gleich." Tricky, oder? 

Wie jedes Jahr habe ich 2 Koffer voll mit Geschenken mitgebracht: danke an alle Freunde/innen, Kollegen/innen, ganz besonders Wolfgang, der in Sportvereinen Fußballschuhe gesammelt hat, sowie Martin, der Laufschuhe, Sportequipment und auch 1 neues Paar Fußballschuhe gesponsert hat. DANKE!!! Die Kids sind mega stolz auf die Fußballschuhe, die sie -ihrer Meinung nach - einen Schritt weiter in ihren Fußball-Traumkarrieren bringen werden. 



Dank meines Freundes Mark, der im Profi-Fußball beheimatet ist, lässt sich die Situation realistisch einschätzen: 0,5% von allen, die es wollen und können,  werden Profi Fußballer und kommen nach Europa. Die Szene wird als brutal und hart eingeschätzt. Und so sitze des Abends mit den Amadeus Teenagern zusammen und versuche ihre Träume nicht zu killen, jedoch realistisch zu lenken. 

Aufgrund eines lästigen Fersensporns kann ich dieses Jahr leider nicht mit meinen Jungs laufen, was mich ein wenig traurig stimmt, denn für mich war es immer etwas Besonderes,  mit Kenianern durch den Busch zu laufen. Die Mädchen haben sich in den letzten Jahren vom Laufsport zurück gezogen...mit mehr oder wenigen nachvollziehbaren Ausreden. Nun rücken sie dieses Jahr mehr in den Mittelpunkt. Statt Laufen biete ich dieses Jahr Aerobics an. Und - wer hätte das gedacht- die Jungs machten 1x mit, dann verzogen sie sich, während die girls ihr Bauch-Bein-Po- Training täglich absolvieren.

Ein Ritual jedoch hält sich standhaft all diese Jahre und das ist das einstündige Morgenyoga mit einer anschließenden Achtsamkeitsmeditation. Da wir Yoga und Aerobics am Strandplatz im Amadeus abhalten, komme ich danach - je nach Wassersituation- zu einer kalten Dusche mit Sandpeelingeffekt: body scrub und Kälteschock werden in Europa hochgepriesen und kosten zumal auch. Hier gratis ... täglich! 

Am Nachmittag gehen wir oft am berühmten weißen Strand von Diani spazieren und inhalieren die salzhaltige Luft und schauen in den mächtigen indischen Ozean hinein.


Und am Abend treffen wir uns alle nach einem gemeinsamen Abendessen im Pavillon, wo es es sich dann im Dunkeln wieder schön träumen lässt....und alle erzählen mir ihre Wünsche, Ideen, Hoffnungen - und ich lasse sie ihnen (noch), sie gehören ja ihnen,  ihre Träume...wir hatten sie doch auch alle in unseren Teenie Jahren, bevor der große Lebens-Hobel ansetzte...

Und wenn sie (unsere Träume) nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute....;)





Samstag, 15. August 2026

An exhibition of sleep: Melatonin und Blackout

 Wie gut man hier in Kenya von der kostenfreien und wertvollsten Droge Gebrauch machen kann: Schlaf! Der österreichischen Hitzewelle entflohen, hole ich jetzt in Ruhe Schlaf nach .... wohlwissend,  dass man Schlaf ja nicht nachholen kann. 

Kenia bringt die besten Voraussetzungen für eine gute Schlafperformanz mit:  Juli und August haben moderate Temperaturen: 25 bis 29 Grad, und am Abend weht eine angenehme Brise durch den Busch. Die meereshaltige Luft tut das Übrige. Die Stille im Busch, das Summen der Grillen, die Affen, die ihren Familienrat des Abends abhalten, das leise Meckern der Ziegen lullen einem in einen erholsamen Schlaf.

Aber der richtige Kick, der den Schlaf erst richtig boostet, ist die Dunkelheit.  Wie ich ja schon oft berichtet habe, wird es um 18h dunkel. Man kann dem Sonnenball innerhalb von Minuten am nahen Horizont hinter den Palmen untergehen sehen,  und dann ist es pechschwarz. Es gibt keine Straßenbeleuchtung im Busch - es gibt ja auch keine Straßen sondern ein paar Wege, die man im Dunkeln auch nicht mehr erkennen kann. Dieses Fehlen an Licht macht angenehm müde und das begehrte Schlafhormon Melatonin wird frei gesetzt. In Europa wird damit Geschäft gemacht: es lässt sich in Kapseln oder Ähnlichem kaufen, was freilich nicht viel bringen kann, wenn alles rund um einem hell beleuchtet ist. Die unverlässliche Stromversorgung in unserem Kinderheim hier bringt nur schummriges Licht, das je nach Intensität flackert,  mal ganz ausgeht, dann wieder mäßig leuchtet. Kurzum, zwischen 18h und 20h werden die Augen immer müder, und man geht um 20.30h freiwillig gerne ins Bett. Mit meiner mitgebrachten Leselampe lese ich dann noch ein wenig bis der Körper und Geist abschaltet und sich dem süßen Schlaf hingibt, der bis zum nächsten Hahnenschrei andauert und auch dann noch dösend voranschreitet.  Meine Garmin-Uhr trackt meine Schlafperformanz und ist entzückt! Und ich fühle es... nach allen durchmachten Schlafstadien fühlen sich mein Körper und mein Geist fit für den nächsten Tag. 

Wenn der Kaffee am Gasherd brodelt, die passion fruits, Ingwer, Zitronen, Orangen, Bananen, Nüsse und Yoghurt meinen Tisch zieren und im Hintergrund meine Musikbox den Soundtrack "Jenseits von Afrika" trällert,  dann ist meine kleine afrikanische Welt in Ordnung. Ja, ich weiß, war ihr jetzt denkt....und ich denke es auch. Die kleine Karen Blixen auf ihrer kleinen Farm und rings herum die Armut...wie kann man da den eigenen Luxus genießen.  Stimmt schon. Trotzdem,  ich begegne der kenianischen Welt auch außerhalb meiner Mauern Mut offen Ohren und Augen und sehe Armut, hören tu ich gleichzeitig nur Lachen. Ich habe in den letzten Tagen mehr Lachen gesehen und gehört als in den letzten Monaten in Österreich. Wenn ich in Wien die Fenster zum Hof offen habe, höre ich so oft Geschrei, Streit, Zank - manchmal in einem Ausmaß,  der mich überlegen lässt, die Polizei zu rufen,  da es fast schon gefährlich klingt. Und ich frage mich, wie schon so oft: wie kann es sein, dass ein reiches Europa so unglücklich ist und die armen Gebiete in Kenia so glücklich wirken?



Aber bevor meine Schilderung von einem perfekten Kenia zu kitschig werden,  so wird man sowieso hier von der Realität eingeholt. Wir hatten gestern den ganzen Tag und Nacht über weder Strom noch Wasser. Auf Strom kann man leichter verzichten, denn mit Gas kann man ja kochen und Kerzen haben wir auch...aber Wasser ist eine bittere Notwendigkeit. Unsere Kinder schwirren hinaus bevor es pechschwarz wurde und holten vom Brunnen Wasser in großen Kontainern. Und dann überlegt man genau, wie man das kostbare Nass einsetzt: zuerst trinken, dann Hände waschen, dann den Rest des Körpers waschen und das schmutzige Wasser schlussendlich zum Nachspülen des Klos verwenden. 

Und wenn dann irgendwann wann wieder Strom funktioniert,  kann auch wieder Wasser gepumpt werden... und falls sich jemand fragt, wie all das geht mit Handy, so ist eines sehr bald klar: entweder man hat mal kurzfristig Internet, aber dann ist der Akku leer, weil man keinen Strom hat, um aufzuladen....oder das Handy hat Akku, aber man hat kein Internet. 

Und somit komm ich zum letzten Schlafräuber: Blaulicht- hier haben wir diesen Räuber nicht....und das ist ganz sicher die beste Schlafvorausetzung!


Lala salama - schlaft gut!