Dienstag, 29. August 2023

Es ist Zeit....




Nach zweieinhalb Wochen ist es Zeit die Koffer zu packen. Ja, ich fühle, es ist Zeit nach Hause zu fahren...in den Kontinent, der berechenbar und vorhersehbar ist. Als Europäerin brauche ich das.

Kenia ist Kenia. Und Kenia ist in Afrika. Und man soll nicht den Fehler machen und diesen Kontinent verwestlichen zu wollen. Denn genau darin liegt das Geheimnisvolle und Außergewöhnliche an Kenia - es ist afrikanisch und afrikanisch ist und soll nicht europäisch sein. Es liegen ja auch schließlich einige Kilometer zwischen unseren Ländern. 

Trotzdem, nach einiger Zeit sehnt man sich nach der eigenen Welt, die man gewohnt ist und mit der man vertraut ist. Ich ertappe mich bei immer mehr Kopfschütteln und Missbilligung, die mir gar nicht zusteht. Aber für uns Europäer/innen ist es nun einmal schwer, diese Unberechenbarkeit und Unstrukturiertheit dieses Landes kommentarlos zu Kenntnis zu nehmen. Ein Beispiel? Gerne.

Offizieller Schulstart hier war gestern. Und doch sind nun plötzlich einige Kinder zu Hause und können nicht zur Schule. Warum? Die kenianische Regierung hat einige Lehrergehälter nicht ausbezahlt und deshalb haben einige Schulen beschlossen, die Ferien spontan zu verlängern. Was das bedeutet, könnt ihr euch vorstellen.... Wir im Amadeus mussten also spontan die Wochenpläne der nannies ändern, den Transport für unsere Kinder, die alle in verschiedene Schulen gehen, verschieben und so weiter...Wie soll man so planen können? Aber das sehe ich nun einmal durch meine europäischen Augen. Kenianische Augen bringen das mit dem wohlwollenden "Hakuna matata" unter.

Auch das Klima wird hier mit anderen Augen gesehen und gefühlt. Matron, unsere Hauptnanny, hängt sich Decken untertags um und jammert, dass es so kalt ist... Es hat 28 bis 30 Grad. Als ich sie um dünne Leintücher für Ossi und mich zum Zudecken bat, rückte sie dicke Daunendecken heraus mit dem Kommentar: in der Nacht ist es eiskalt. Osman, der askari und Gärtner im Amadeus, erzählte mir, er würde zum Duschen Wasser heiß machen und danach wäre ihm auch so kalt. Tja, aus kenianischer Sicht ist das auch sicher so....

In den letzten zwei Tagen gab es in ganz Kenia kaum Strom. Als sich nun meine Akkus (Handy, Tablet, elektronische Zahnbürste) alle leerten, ich kein Geld mehr beheben konnte, denn auch ein Bankomat braucht Strom und aus dem Wasserhahn wieder einmal kaum Wasser kam, übermannte es meine Seele mit den Worten: "I wü ham!"

Und dann tanzen uns unsere Kinder am letzten Abend ihre Hitparade vor mit ihren einzigartigen, afrikanischen Hüftschwung .... und dann ist doch wieder alles in Ordnung und "Hakuna matata" hat wieder seine Berechtigung!