Sonntag, 27. August 2023

"If music be the food of love, play on!"




Klarerweise mache ich mir schon lange vor meinem Aufenthalt in Kenia Gedanken, was ich mit meinen Amadeus Kindern machen werde. Ich weiß, sie lesen gerne mit mir und ich weiß, sie spielen gerne Theater. Das habe ich mit ihnen schon in den letzten Jahren immer gerne gemacht. Nur worauf sollten wir uns dieses Jahr konzentrieren? William Shakespeare war die Antwort. 

Drei Theaterstücke in vereinfachter narrativer Form sollten meine Kinder faszinieren. Ich konnte es kaum erwarten, sie dafür zu begeistern und ihnen etwas Neues nahe zu bringen.....wie falsch und arrogant voreingenommen ich war, wurde mir schlagartig bewusst: nicht nur war meinen Kindern Shakespeare bekannt, sie kannten auch 2 meiner Stücke, die ich vorbereitet hatte. Ich war sehr überrascht, denn nur wenige Kinder in meiner Schule in Wien sind Shakespeare -affin.




Anna beeindruckte mich am meisten: sie kannte nicht nur die Handlungsstränge der Stücke, sondern auch die Charaktere... Ich war neugierig, herauszufinden, warum sie im Alter von 13 schon so viele Shakespeare Stücke gelesen hatte. Sie erklärte mir stolz:" Ich bin die Bibliothekarin in meiner Schule und habe dort oft und lange Dienst. In den Stunden, die ich dort zubringe, verbringe ich mit Lesen. Und da fiel mir Shakespeare in die Hände, und das gefiel mir so sehr, dass ich einige Stücke von ihm gelesen habe." Verdutzt fragte ich sie, ob sie denn alles verstünde und ob nicht einige Passagen vielleicht schwer verständlich wären. Daraufhin meinte sie bloß, dass sie manches zwei oder drei Mal lesen würde, bis sie es dann versteht. Ich war sprachlos. Ich kenne einige Engländer/innen, die mir erklären, dass sie Shakespeare nicht verstehen und wie langweilig es wäre, diese Stücke zu lesen....von verstehen ganz zu schweigen. Nicht hier mit meinen Amadeus Kindern: sie werden von Shakespeare in den Bann gezogen.

"Macbeth", "Twelfth Nicht" und "Romeo and Juliet". Wir lasen jedes Stück zuerst, dann hatten sie 15 Minuten Zeit, sich in kleinen Gruppen zu organisieren und eine Szene aus der Geschichte zu improvisieren und zu spielen und vor den anderen vorzutragen. Also ich muss sagen, ich hätte mir nicht träumen lassen, das es so gut ankommt. Nicht nur wählte jede Gruppe eine andere interessante Szene, sondern sie konnten sie auch gut umsetzen, was mir bestätigte, dass sie das Stück insgesamt sehr gut verstanden hatten. Aber das Allerbeste war der Spaß!!! Wir brüllten und bogen uns vor Lachen.






Ossi gab eine wunderbare Juliet ab!!😆 

Zu "Macbeth" malten wir auch eine Szene....ich möchte euch mein infantiles Kunstwerk nicht vorenthalten. Es kann monetär erworben werden 😆! Bei Interesse, bitte kontaktiert mich! 


Am Ende unseres Shakespeare-Projekts stimmten sie ab, welches der drei Stücke ihnen am besten gefallen hat. "Twelfth Night" machte das Rennen! Warum? Weil kein Blut fließt und keiner stirbt. Ja, stimmt. Da kann man nur zustimmen! 😃

Der absolute monetäre Gewinner in diesen Wochen in Kenia war der Besitzer des Café-Restaurants Kokkos. Ich kam fast täglich mit Kindern hierher. Einmal führte ich die August Geburtstagskinder Tobias, Chimera, Asha und Allen hierher aus. Dann die Kinder (Mary, Miriam, Anna, Esther, Agostino, Amy) mit den besten Noten: besonders stolz bin ich auf Agostino, der in diesem Jahr zum Schulsprecher von Makemba gewählt wurde. 
















Amy, Allen und Obama, unsere 3 Vollwaisen, die mir besonders am Herzen liegen, lud ich zu einem Ausflug zur Robinson Insel ein, wo man im Meerparadies schnorcheln kann. Danach gingen wir ins Kokkos. Es ist verwunderlich, was unsere Kinder in kurzer Zeit alles verdrücken können: riesige Burgers, abundante Eisportionen, gigantische Kuchenstücke und gewaltige Milkshakes wanderten in die Mägen meiner Kinder, und somit Unmengen an Geld in die Geldbörse des Kokkos-Besitzers. Kein Wunder, dass er mir fast einen roten Teppich ausrollt, wenn er mein Auto vollgepackt mit Kindern anrollen sieht....🤗











Die Kokkos-Gewinner von Amadeus waren Mumo und Mwonja - Ossis beste Freunde....wie soll ich da "nein" sagen....








 

Mittwoch, 23. August 2023

Schule - verhaftet in der Vergangenheit




Es scheint, als ob Schule in fast jedem Kontinent dieses Planeten in veralteten Schuhen steckt und sich der gegebenen Realität nicht anpassen will - nämlich das, was Schüler/innen brauchen und was die Gesellschaft braucht: eine wache, lebensnahe, neugierige, hinterfragende, achtsame und ausgebildete sowie empathische Generation, die den Herausforderungen von heute gewachsen ist und mit intelligenter Gelassenheit an die Fragen unserer Zeit herangeht. Dabei bräuchte es gar nicht viel: kleine Lerngruppen, engagierte Lehrer/innen und einen angepassten Lehrplan mit genügend Zeitmanagement, das einen Lernalltag ausfüllt.

Während Schule in Österreich in der Zeit von Maria Theresia verhaftet zu sein scheint, so ist Schule in Kenia in alten Strukturen verhaftet und rückt keinen Millimeter aus dem System der Klassengesellschaft sowie äußerst veralteter Pädagogik. Fast könnte man meinen, der kenianische Staat ist nicht an Bildung seiner Bevölkerung interessiert. Und doch möchte man daran erinnern: jeder Mensch hat Recht auf Bildung.

Jedes Jahr gehe ich mit meinen Amadeus Kindern ihre Zeugnisse durch und bespreche mit jedem einzeln, was sie toll gemacht haben und was sie noch verbessern können und wie sie das bewerkstelligen können. Diese Gespräche sind für mich emotional anstrengend, denn ich werde mit Berichten konfrontiert, die mich erschrecken.



Ich habe in einen meiner früheren Blogeinträgen schon vom langen kenianischen Schulalltag berichtet, der sich von 3h morgens bis 21h erstreckt. Und genau das lässt mir keine Ruhe. Wie kann es sein, dass hier die Kinder um 4h morgens (um 3h ist Tagwache) Schulbeginn haben und um 20.30h ihren Schultag beenden (das ist der Schulalltag für Kinder und Jugendliche im Gymnasium, das es ausschließlich in Internatsform gibt) und trotzdem nicht die Welt regieren?? In anderen Worten: wenn man täglich 16 Stunden lernt, und das 8 Jahre lang, müsste man doch entsetzlich intelligent sein... Kurzum: bei so viel Input...wo bleibt der Output???

Die wenigen Male, wo ich um 3h hier aufgestanden bin, um auf Safari zu fahren, sah ich montags 11-jährige halb schlafend zur Schule gehen...kaum konnten sie die Augen offen halten. Klarerweise ist das einer der meist genannten Probleme, die mir meine Kinder berichten: das Aufstehen um 3h. Das ist shower time, anziehen und Zimmer ordentlich hinterlassen. Um 4h sind sie in der Klasse für prep time und um 4.45h beginnt der Unterricht. Ich bezweifle, ob man bei uns in Österreich Lehrer/innen für diese Jobanforderungen finden würde. Meine Kinder berichten mir, dass viele ihrer Mitschüler/innen im Unterricht einschlafen und als Strafe dann stehen müssen, und manchmal schlafen sie dann im Stehen weiter....

Dabei ist eines glasklar: für konstruktives Lernen braucht man Schlaf - und das kommt hier zu kurz. Kinder brauchen Schlaf und lernende Kinder erst recht. Hier greift die Formel: "weniger ist mehr" - weniger Input bewirkt höheren Output. Ich merke das in meinem Unterricht: unterrichte ich 40 Vokabel in einer Unterrichtsstunde bleiben 3 hängen. Vermittle ich 10, bleiben 8 hängen. Nun stellt sich also die Frage: warum kann man das nicht ändern? Warum kann Schule nicht um 8h oder um 9h beginnen? Diese Frage stellte ich dem Schulpsychologen sowie einer Schuldirektorin. Der Schulpsychologe meinte:" Weil es schon immer so war." (könnte eigentlich eine typisch österreichische Antwort sein). Die Direktorin erklärte mir, dass sie das Problem kennt, aber nichts dagegen machen kann, da sie sonst keine Schulzulassung bekommt. Scheint also hoffnungslos...

Das nächste Problem, das mir meine Kinder in unseren Gesprächen schildern, begleitet mich seit Jahren hier und geht mir unter die Haut: punishments. Die Schulkinder werden hier regelmäßig mit Stöcken oder Stangen geschlagen. Wenn Mädchen den Unterricht stören oder schlechte Resultate bringen, werden ihnen die Haare geschoren - und das finde ich wahrhaftig barbarisch. Den Jungs wird der Hintern ordentlich versohlen, auch die Ohrfeige ins Gesicht ist üblich, auch wenn man zu spät in den Unterricht kommt. Ich weiß, ich kann gegen dieses System nichts unternehmen. Dennoch habe ich mir nun die Namen der Lehrer aufgeschrieben, die mir am häufigsten genannt wurden und ich werde die Direktorin, die mir immer versichert, dass das nicht in ihrer Schule geduldet würde, informieren. Auch wenn sich wahrscheinlich nichts ändern wird, so will ich nicht den Mund gehalten haben.

Ein Fall hat mich dieses Mal besonders beschäftigt: eines unserer Mädchen wurde wegen eines Mobbingvorfalls vom Unterricht suspendiert. Ich habe diesbezüglich relativ ungehalten mit den Schulvorgesetzten kommuniziert. Weder gab es eine Verwarnung, noch eine schriftliche Stellungnahme zu den Vorfällen. Mir wurde lediglich gesagt, unser Kind hätte ein anderes Mädchen als Hexe bezeichnet. Ich wollte den genauen Wortlaut wissen,  da wurde mir dann gesagt, dass das andere Mädchen nur von anderen gehört hätte, dass sie so bezeichnet würde; ins Gesicht hätte unser Kind es ihr nie gesagt. Nun, wenn wir alle Kinder, die sich gegenseitig beschimpfen, nach Hause schicken würden, wären alle Schulen fast leer. Unser Mädchen hat tagelang geweint und kann bis heute nicht zusammenhängend darüber reden. Sie wird natürlich weiterhin den Unterricht genießen, denn schließlich hat sie ein Recht darauf. Und ich habe sehr wohl meinen Ärger dort Ausdruck verliehen und auch daran erinnert, dass der Lehrer bitte auch auf ein konstruktives Miteinander achten soll und nicht einfach Schüler aus der Klasse weist. Daraufhin bekam ich die Antwort, dass es sich eben um einen jungen, unerfahrenen Lehrer handelt....naja, davon haben wir auch viele in Österreich.

Wenn ich Mary, unsere Spitzenschülerin befrage, wie für sie der Schulalltag aussieht, so gesteht sie, dass es für sie oftmals schwer ist, da sie nur 3 Mal die Woche Mittagessen kann. Die Schlange zum Essen ist so lang und die Pause hat nur 30 Minuten, und das Essen geht zumeist auch aus. Meistens stellt sie sich gar nicht an, da es eh keinen Zweck hat. Und trotzdem auf die Frage:" Gehst du gerne zur Schule?", strahlt sie über das ganze Gesicht: "Und wie!!!"





Sonntag, 20. August 2023

Sport - ein Privileg des Wohlstands


Sport zu treiben bedarf Zeit und Ressourcen - man braucht zumeist Ausrüstung, die Geld kostet, und danach möchte man sich waschen (können)... und die Problematik des Wassers habe ich ja schon erläutert. Sport macht Spaß, hält gesund und bewirkt einen schönen Körper sowie schärft auch den Geist. Nur hier in Kenia, an der Küste, wo wir uns befinden, haben die meisten Menschen keine Zeit, sich um Sport zu kümmern. Vielmehr geht es hier um das (Über)leben und nicht um die Qualität des Lebens.

Wenn ich mit meinen Kindern hier laufen gehe, dann laufen wir an  Menschen vorbei mit Kübeln Wasser am Kopf, oder an Menschen, die einen Karren mit Mehlsäcken ziehen, oder an Familien, die Holzstücke für die Feuerstelle sammeln. Was die sich wohl denken, wenn wir laufend an ihnen vorbeiziehen, ist schwer zu sagen... vielleicht: "Haben die keine andere Sorgen?" Oder "Wo laufen die bloß hin...und warum?" Und doch ist hier das Land der weltbesten Langstreckenläufer/innen. Doch dieser Nationalsport spielt sich im Hochland, im Norden von Nairobi statt, wo die Lauftrainingscamps zu Hause sind. 

Einige meiner Kinder wollen in diesem Jahr nicht mit mir laufen. Sie haben Angst. In der Gegend hier gibt es einige Banden, die Menschen mit Messer attackieren. Die wirtschaftliche Lage, vor allem hier an der Küste, ist prekär: die Inflation ist enorm und die Menschen kämpfen ums nackte Überleben. Und wo extreme Armut zum Alltag zählt, das ist Verzweiflung und somit Gewalt und Verbrechen nicht weit.

Ich gehe also mit den größeren Jungs hier laufen, und wir laufen schon um 16.30h los, um ja nicht in die Dunkelheit, die schnell ab 18h über das Land fällt, zu kommen. Unserer Sicherheit zuliebe, haben wir eine Strecke der Landstraße gewählt. Nachdem wir jetzt schon etliche Male laufen waren, kann ich nicht umhin zu denken: entweder man wird beim Laufen im Busch überfallen oder entlang der Straße von einem matatu (Autobus), magari (Auto), pikipiki (Motorrad) oder tuktuk (Kleintaxi) überfahren.... Nun, bis jetzt ist Gott-sei-Dank nichts passiert, und das soll auch so bleiben...man muss halt wachsam sein.

Wir fingen mit einer 8km Strecke an, und meine Jungs wollen nun auf 10km erhöhen - ich habe nichts dagegen 😁. Nicht selten sehe ich, wie jemand mit Fingern auf mich zeigt und mir nachschreit:" mzungu!!! Haraka!" ("weißer Mensch! Schneller!") Wahrscheinlich nennt man das Diskriminierung auf offener Straße....ja, alle anderen auf der Straße lachen dann...ich nicht. 

Ich laufe das Tempo meiner Jungs und muss sagen, dass sie exzellente Pace-maker sind und unbewusst die richtige Laufeinstellung haben: sie fangen langsam an und steigern jeden Kilometer. Mit richtigem Training wären sie sehr bald wirklich gute Läufer. Sie sind überglücklich mit ihren tollen Nike Laufschuhen, die ich ihnen von Marathonläufern mitgebracht habe. Außerdem hielten wir einen Abend einen Videochat mit Martin, einem passionierten Marathonläufer, ab, der ihnen viele Tipps zum Laufen geben konnte. So gebannt hab ich sie selten erlebt...sie hatten soviele Fragen, die Martin ausführlich beantworten konnte. Schön, dass Martin nächstes Jahr mit mir ins Amadeus kommen will und sie trainieren will!

Andrea, einer meiner besten Läufer, ist besonders ambitioniert, da er seine heimliche Liebe beeindrucken will. Er hat die Strecke so gewählt, dass wir an ihrer Hütte vorbeilaufen, wo sie zumeist den Kopf rausstreckt, und sie sich zuwinken. Er meinte zu mir, dass er auf jeden Fall der Schnellste sein will, der vor ihrer Tür steht, da sie einige Verehrer hat. Ich konnte dem nur zustimmen. Es ist immer gut, der Erste zu sein... vor allem, wenn es sich um eine Liebesgeschichte handelt ...🥰



Yoga ist für mich eher eine meditative Haltung als Sport....und doch oftmals nicht weniger anstrengend. Wie schon erwähnt, haben wir unser tägliches Morgen-Yoga, das wir mit dem Sonnengruß starten und mit einigen Asanas ausdehnen und schließlich mit einer meditativen Atemübung und Bewußtseinstraining beenden. Ich werde nicht müde, zu betonen, dass hier um Wahrnehmung, Atmung und Konzentration geht, und man sich von nichts ablenken lassen soll. Als aber während der Position Kerze auf meinem Yogatuch eine von unseren Hennen, die bei uns am Grundstück frei herumlaufen dürfen (glücklichere Hennen und Hähne gibt es nicht 😃), vorbei stolzierte, fühlte auch ich die Herausforderung enorm, meinen eigenen Anforderungen gerecht zu werden. 😳




Einen weiteren Wunsch durfte ich auch während der letzten Tage erfüllen: wir verbrachten einen gemeinsamen Nachmittag in einem Swimmingpool. 17 Kinder und ich tummelten sich im Wasser und hatten einen Heidenspaß! Ja, Sport und Spaß liegen eng zusammen.....und ich bin stolz darauf, dass dieses Privileg unsere Kinder genießen dürfen und sollen!









Donnerstag, 17. August 2023

Magic magi



Hier angekommen - alle notwendigen Einkäufe und Erledigungen gemacht. Ich habe sogar mobile Daten für mein Handy preiswert aktivieren können. Die Kinder - nunmehr Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren - sind wohlauf und wir genießen die Zeit miteinander: Lesen, Malen, Improtheater, Yoga, Laufen... und all das mit viel Lachen und Energie! 

Ja, Energie kommt mit Sonne - davon hat Kenia genug - und mit Wasser (auf Swahili "magi") - davon hat Kenia nicht genug. Wir können uns im Amadeus glücklich schätzen, da wir einen eigenen Brunnen und somit trinkbares Grundwasser haben. Zu diesem hohen Gut haben auch alle Anreiner hier Zugang, was logischerweise zu einem gewaltigen Zustrom an Menschen hier in der Gegend geführt hat.

Nur aber auch unser Wasser ist nicht immer unbegrenzt. In dem kleinen Häuschen, neben dem Kinderheim, wo Ossi und ich wohnen, ist Wasser nicht immer präsent. Ich kann ein Lied davon singen, was es bedeutet, splitterfasernackt unter der Dusche zu stehen, den Wasserhahn zu bedienen und.....es kommt kein Wasser. Ich brauche nicht extra zu betonen, dass man hier sich nicht duscht, weil man will, sondern weil man muss. Anders formuliert: man ist so dreckig, dass man sich eben waschen muss. Die Verzweiflung, die auf dem Gesicht geschrieben steht, wenn kein Wasser kommt, ist mehr als authentisch. Man fühlt sich hilflos und machtlos. Es sind genau diese Grundvoraussetzungen, die wir in der westlichen Welt haben, auf die es ankommt, um ein menschenwürdiges Leben zu führen. Wir nehmen den Zugang sowie die Versorgung mit Wasser als selbstverständlich an - ist auch schön, dass wir so verwöhnt sind. Sobald aber diese Selbstverständlichkeit versiegt, versteht man erst, welchen hohen Lebensstandard wir zu Hause genießen dürfen.

In den meisten Fällen jedoch - glücklicherweise - kommt Wasser aus dem Duschkopf...wieviel ist nur immer die Frage, und wie lange es andauert, ist die nächste Frage. Duschen für mich heißt hier, eine Art Limbodance zu tanzen, damit jeder Teil des Körpers in kürzester Zeit einen Tropfen Wasser abbekommt. Seife verwende ich nur, wenn ich die leise Hoffnung habe, dass es genug Wasser geben wird, um sie abzuspülen. In Wahrheit habe ich sowieso immer das Gefühl, dass wir in unserem westlichen Leben uns viel zu viel waschen und literweise Duschgel verwenden, um uns übersauber zu halten. Auch da wäre die Formel "weniger ist mehr" - vor allem für unsere Haut sowie für unseren Geldbeutel, ganz zu schweigen für Ressourcenschonung - ratsam.

Aber Wasser ist ja nicht nur zum Waschen da, sondern auch zum Trinken. Auch da gibt es für uns hier immer wieder unliebsame Überraschungen, wenn in unserer kleinen Küche kein Wasser aus dem Wasserhahn kommt. "Macht nix", sagt Ossi, "dann trink ich halt Apfelsaft." Ja, das kann man machen, wenn man als Alternative eine europäische Mutter mit europäischen Gehaltskonto hat und hier in westliche Supermärkte einkaufen geht und Apfelsaft kaufen kann... Insgesamt habe ich aber die Beobachtung gemacht, dass die Kinder hier weniger Wasser trinken als bei uns. Ich will jedoch keinesfalls kleinreden, dass Wassertrinken nicht gesund sei. Trotzdem, unsere europäischen Kinder mit umgebundenen Trinkflaschen, aus denen sie minütlich einen Schluck nehmen, erscheint mir übertrieben. Auch beim Laufen mit den Kindern fällt mir auf, dass sie ohne Wasser sehr gut Sport treiben können. Ein Vorteil, wenn man bedenkt, dass jeder Milliliter etwas wiegt und im Körper mitgetragen werden muss. Kann ja kein Zufall sein, dass Kenianer Weltmeister im Laufen sind - Trinkpausen brauchen sie auf jeden Fall nicht.

Auch das Geschirrabwaschen ist so eine Sache mit wenig oder eben manchmal keinem Wasser. Also bevor man noch den Tag beginnt, steht man mit der Sorge auf: wird es genug Wasser geben. Denn dreckiges Geschirr zieht im Handumdrehen Insekten an, und wer hier was von Insekten versteht, der weiß, dass man sie im Haushalt in Kenia nicht haben will.  Auch hier gilt: Sauberkeit im Eigenheim basiert auf Wasser. Und wenn Wasser knapp oder inexistent ist, dann wird man richtig nervös, um nicht zu sagen, verzweifelt. Denn eines ist klar: Wasser ist wesentlich für Geist, Körper und in seiner Gesamtheit für die Seele und das Wohlbefinden.

Schön nur, dass man, bevor man sich den Sorgen hingibt, von den lustigen Seiten des kenianischen Lebens abgelengt wird: bevor ich am Morgen noch eine Wasserkontrolle durchführen konnte, wurde ich durch ein eigenwilliges Klopfen an meiner Haustüre geweckt. Neugierig steckte ich meinen Kopf hinaus, um "Habari asubuhi" zu sagen ("Guten Morgen").....


Und genau diesen Humor und diese Fröhlichkeiten tragen die Menschen hier in sich. Denn man kann sich nicht um alles einen Kopf machen und die Sorgen spazieren tragen. Was Wasser angeht, so ist man eben sparsam und mit einem Extrakübel Reservewasser vorbereitet: Hakuna matata!



Mittwoch, 9. August 2023

+254... Kenya calling!

Und wieder ging ein Jahr um...dieses Jahr haben die Amadeus Kinder ihre Ferien im August und so packe ich jetzt unsere Koffer und werde im Amadeus vom 15. bis 30. August verweilen. Wie jedes Jahr so blieb ich auch während der letzten Monate mit den Kindern in Kontakt.

Die Wochen vor der Abreise widmen sich der Vorbereitung: die Flugpreise sind enorm gestiegen und so werde ich dieses Jahr nicht Mombasa anfliegen, da diese Urlaubsdestination extrem teuer geworden ist und so auch die Flüge. Nairobi ist billiger anzufliegen und deshalb werden Ossi und ich von Wien nach Addis, dann nach Nairobi und schlußendlich mit einem Inlandsflug nach Ukunda fliegen. Nach drei Flügen werden wir nach 22 Stunden Reisezeit am 15. August gegen 18h im Amadeus ankommen. 

Viele andere Parameter dürfen bei dieser Reise nicht vergessen werden: Auffrischungsimpfungen, Medikamente mitzunehmen, die man in Kenya nur schwer bekommen kann; die VISA Kreditkarten-Organisation muss kontaktiert und informiert werden, denn VISA sperrt die Kreditkarte, sobald sie Abbuchungen in Afrika wahrnimmt, da sie davon ausgehen, dass es sich um Betrug handelt. Eigenartig eigentlich, wenn man sich überlegt, dass VISA kein Problem mit Abbuchungen hat, wenn diese in anderen Kontinenten wie Australien oder Amerika getätigt werden. Afrika hat also diesen Ruf in illegalen Machenschaften verwickelt zu sein....

Ossi und ich werden mit 4 großen Koffern reisen - 2 davon vollgepackt mit Geschenken für die Kinder. Ich habe Malkästen, Pinsel, Glitzerstifte und Malblöcke sowie Bastelmaterialien gekauft, um mit ihnen zu malen. Ich möchte gerne ihre Träume auf Malpapier verwirklicht wissen und sie so kreativ werden lassen. Außerdem habe ich viele Geschichten für sie kopiert, die wir gemeinsam lesen werden. Aus diesen Geschichten werde ich sie Szenen erarbeiten lassen, die sie szenisch improvisieren und spielen sollen. Und da Kenianer/Kenianerinnen die weltbesten Läufer/Läuferinnen sind, habe ich heuer die besondere Freude, Marathon-Schuhe sowie Laufequipment in diesen Koffern unterzubringen, die den Kindern besonders Freude bringen werden. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz besonders bei Martin und Florin bedanken, 2 erstklassige Marathon-Läufer, die ihre Marken-Lauf-Ausstattung den Kindern schenken. DANKESCHÖN!

Wie ihr wahrscheinlich aus meinen früheren Einträgen wisst, bin ich für die schulischen Angelegenheiten der Kinder zuständig, und deshalb werde ich mich selbstverständlich mit der Schule in Verbindung setzen und Gesprächstermine ausmachen, um die akademische Entwicklung unserer Kinder zu besprechen.

Im Amadeus erwarten sich unsere Kinder wieder folgenden Ablauf:

am Morgen: Yoga

nach dem Frühstück: Malen und Lesen

nach dem Mittagessen: Impro-Theater

vor dem Abendessen: Laufen

nach dem Abendessen: Tratschen im Pavillon

Ich werde versuchen, ihren Erwarten zu entsprechen! ;-)

 

Bis zum Abflug am 14. August sind nur noch wenige Tage...und schon fühle ich ihre Rufe nach mir. Alle unsere Kinder sind nun in Internatsschulen, und so sind sie jetzt schon sehr aufgeregt, endlich wieder nach Hause ins Amadeus-Kinderheim zu kommen, wo sie mir ihre Geschichten erzählen werden. Ich werde zuhören...und berichten!

KARIBU KENYA!