Dienstag, 27. August 2019
Safari - Maasai Mara: safi sana!!!
Und da man sich sonst nix gönnt...., gingen Ossi und ich auf eine Luxus-Safari in die Maasai Mara. Man kann aber auch nicht auf eine Nicht-Luxus-Safari gehen, da es das schlicht und ergreifend nicht gibt: inmitten der Savanne bekömmliches Essen, Waschmöglichkeiten und sichere Schlafstellen zu haben, ist nun mal Luxus. Zusätzlich braucht man Strom, um seine Kamera zu laden, einen askari (watchman), der dein Unterkunftszelt vor wilden Tieren schützt und einen professionellen Fahrer, der die Gegend kennt, alles über die Wildnis weiß, sowie einen super-sicheren Jeep, dem nie der Benzin ausgeht bzw ein Reifen platzt vor einer hungrigen Löwin... Sprich: es soll alles tip top funktionieren..... Und das tat es auch!!!
Ich hatte schon zu Beginn unseres Aufenthaltes die Idee, am Ende - nach getaner Arbeit - eine Safari zu machen. Dass wir in die Mara fliegen würden, war aber nicht meine ursprüngliche Idee, da es sehr kostspielig ist. Aber durch ein last-minute-Angebot wurde es schließlich möglich und somit verließ ich das Safari Büro vollkommen verdutzt und überglücklich mit einem Umschlag von 2 Flugtickets und einem full-Safari-package von 2 Nächten und 3 Tagen....
Vor 8 Jahren war ich schon einmal in der Mara und man kann meine Abenteuer in meinem früheren Blog (Juli 2011) nachlesen. Somit war meine Vorfreude noch größer, da ich wusste, was mich erwarten würde: ein Ausblick auf das Paradies.... Tausende Tiere, die in Frieden miteinander leben, die sich nur den natürlichen Grenzen unterwerfen und keine politischen Grenzen aufbauen. Ja, hier ist die Welt noch in Ordnung! Überall, wo der Mensch ins Spiel kommt, so kippt das Eco-System. Ich musste das wieder schmerzlich erkennen, als wir im Mini-Flugzeug am Kilimandscharo vorbeiflogen und ich wieder sehen musste, dass die meisten Teile des Kilimandscharos keine Schneedecke mehr aufzuweisen haben: der Klimawandel ist da und ich mache genauso mit, weil ich auch regelmäßig in einem Flugzeug sitze....
Als wir aus dem kleinen Flugzeug stiegen - inmitten der Savanne, neben ein paar Zebras und Gnus-, raunte mir Ossi ins Ohr: ich habe Hunger. Ich sah ihn still an und sagte, "Dann schaust du dich mal genau um, ob du einen Billa siehst, wo du dir eine Wurstsemmel kaufen kannst." Ossi erfragte dann eine Alternative zum Billa. Ich:" Du kannst dich auch auf die Suche nach dem nächsten Maasaidorf begeben und dort ein wenig Ugali erbitten. Hüte dich nur vor den wilden Tieren am Weg... Denn du mit deinem jungen Fleisch auf den Rippen, gibst herrliches Fressen für viele der Tiere hier ab." Daraufhin entschied er sich, doch abzuwarten bis wir in unserem Camp waren. Doch - Überraschung!!! - wir wurden wie Prinz und Prinzessin von unserem Safari-Fahrer mit einem Picknick empfangen: es war also offiziell - wir hatten unsere Luxus-Safari begonnen.... Kaffee trinkend und und Kekse schmausend inmitten der Savanne: dekadenter geht nimmer....
Jeremy, unser game driver, war ein enthusiastischer Safari Fahrer und wir hatten 3 Fahrten: die erste Fahrt am Nachmittag unserer Ankunft von 16h bis 18.30. Am nächsten Tag waren wir den ganzen Tag unterwegs: 7.45h bis 18.30h mit Picknick in der Savanne und dann eine letzte Ausfahrt vor dem Sonnenaufgang: 5.30 bis 8h. Dann, am letzten Tag, nach dem Frühstück besuchten wir noch ein Maasaidorf - auf besonderen Wunsch von Ossi.
Und da Bilder bekanntlich mehr als tausend Worte sprechen, seht und staunt:
Wir hatten das unglaubliche Glück, die berühmten big 5 zu sehen: Zebras, Nashörner, Löwen, Giraffen und Elefanten. Außerdem sahen wir: Geier, Chittahs, Gnus, Affen, Antilopen, Gazellen, Impalas, Krokodile und vieles mehr.... Als Höhepunkt durften wir auch eine Flussüberquerung aus nächster Nähe mitverfolgen: während der großen Migration (Tierwanderung, die zu dieser Jahreszeit stattfindet) wandern die Tiere zu verschiedenen nahrungsreichen Stellen und müssen dabei Flüsse überqueren. Bei einem solchen gefährlichen Unterfangen kommen natürlich verschiedene Tiere zu erliegen - vorwiegend die Kinder und die Alten, denn Krokodile und Löwen warten an diesen neuralgischen Punkten und schlagen unerbittlich zu. Ossi war total entrüstet, als er mitansehen musste, wie ein kleines Kind-Zebra von einem Krokodil verschlungen wurde. Tja, aber auch das Krokodil hat Hunger....
Vor unserem Abflug zurück nach Diani ins Amadeus, erlebte ich noch eine für mich recht amüsante Episode: aus den vielen Touristen heraus erkenne ich immer wieder recht eindeutig jene Europäer, die hier schon länger leben und sich hier recht heimisch fühlen. Meistens ist das aus ihrer Arroganz sowie Selbstgefälligkeit gut ersichtlich: sie tragen auch die passende und teure Kleidung von hier, haben das wahre und gute Equipment (für Safari, etc) und sprechen recht gut Kiswahili. Sie sitzen oft mit singulären Gruppen von ihresgleichen und auch Einheimischen zusammen und klingen recht belehrend und wissen alles besser - vielleicht auch zurecht, das kann ich nicht beurteilen. Wie auch immer, so einen Mann mittleren Alters (also wie ich) sah ich dort sitzen, reden und rauchen. Ich ging vorbei und grüßte in swahili. Er grüßte zurück, aber nicht im Touristen smalltalk swahili, sondern in einer komplizierten Begrüßungsformel mit Pronomen, genauer Tagesangabe und so. Also nicht "Hallo" (jambo) sondern "Ich wünsche dir einen wunderschönen guten Morgen" (habari asubuhi yako) . Während ich lässig vorbei ging, parlierte ich flüssigst und recht unbeeindruckt zurück : "Das wünsche ich dir auch." (asubuhi njema. Kabisa! Na wewe?) - und das, obwohl die Pronomen in swahili sehr unsympathisch und für mich schwer erlernbar sind... Dem Mann verschlug es augenblicklich die Sprache: er hatte gerade selbstgefällig an seiner Zigarette gezogen und verschluckte sich und musste recht heftig husten..... Ich ging grinsend weiter. Beim nächsten Treffen an der Abendbar nickte er mir anerkennend zu.... Tja, ich gehöre schließlich auch zur community, doch versuch ich nicht so dämlich anzugeben.... 😎
Donnerstag, 22. August 2019
Supervision
Supervision sollte für Lehrer bei uns gratis angeboten werden. So viele Probleme könnten schlagartig gelöst sein und noch mehr Probleme würden erst gar nicht entstehen. Außerdem könnte man Burnout, Frustration und Resignation perfekt entgegen wirken.
Auch im Falle von den Amadeus Angestellten - speziell die nannies - ist Supervision notwendig. Sie haben Tag ein Tag aus mit 17 Kindern zu tun und müssen deren Haushalt mit Wäsche, Essen und Aufräumen auch noch schupfen. Das ist viel - vor allem wenn man bedenkt, dass sie selbst auch noch viele Kindermäuler zuhause zu stopfen haben.
Es ist klar, was unser Management will: frisch und gut gelaunte nannies, die ihre Probleme vor dem Amadeus Tor zurück lassen und pädagogisch und effizient ans Tageswerk gehen. Yes.... And pigs can fly.....
In der Tat machen unsere nannies einen tollen Job. Es wird gelacht, gescherzt und gearbeitet. Die letzten Wochen waren noch zusätzlich anstrengend: Ujamaa Projekt erforderte höhere Anwesenheit und nun in dieser Woche war noch mein Seminar mit ihnen dran.
Ich konnte an den Gesichtern ablesen, dass mein Seminar keinen weiteren Luftsprung bedeuten würde. Umso mehr waren sie begeistert, als sie in gemütlicher Atmosphäre erfuhren, dass wir eine Art Supervision machen... Etwas, das rein ihnen und ihren Herausforderungen im Alltag entgegen kommen würde.
Ich hatte mein 4-Stunden-Seminar in 3 Teile geteilt und machte 2 Durchgänge, einmal mit 2 und einmal mit 4 nannies. Im ersten Teil nahmen wir eine Kurzfassung von Persönlichkeitsentwicklung von Kindern durch und die verschiedenen Phasen, die ein Kind durchgeht. Wir besprachen alle möglichen Beispiele, die uns bei unseren Amadeus Kindern einfielen. Bettnässen, Kinder-Lügengeschichten, Disziplinprobleme, Verletzungen bei Spielen sowie bei Unfällen etc. Ich war immer bedacht, sie aussprechen zu lassen, damit sie ihr Herz mal ausschütten können. Natürlich lenkte ich immer das Augenmerk dorthin, wie man in diesen Fällen pädagogisch sinnvoll vorgeht, wie man Ressourcen von Unterstützung im Personal sowie unsere Räumlichkeiten und den Garten sinnvoll und bewusst einsetzen kann, um Distanz zeitweilig zu schaffen, wenn ein Kind das Maß der Dinge vergisst und für eine nanny nicht mehr schaffbar ist. Für diesen Tipp, sich Raum und Zeit zu schaffen, um wieder in Balance zu kommen, waren sie mir besonders dankbar. Es tat ihnen auch gut zu hören, dass wir alle nur Menschen sind und alle mal Fehler machen, diese Tipps aber helfen sollten, erst gar nicht in die Ecke gedrängt zu werden, dass man Fehler begeht.
Im zweiten Teil erarbeiteten wir eine Liste von Disziplinproblemen bei den Amadeus Kindern und was in Falle von Wiederholungstätern für Strafen sinnvoll wären. Dazu machten wir uns Gedanken, welche 10 golden rules of Amadeus alles einfließen ließe. Ich achtete darauf, dass die Sätze mit "we want.... (to be friendly to each other)" beginnen. Wir brainstormten diese 10 rules einmal, denn ganz genau sollen diese Hausregeln gemeinsam mit den Kindern formuliert werden. Die Kinder sollen dann auch alle unter der entgültigen Ausführung unterschreiben und es somit verbindlich machen. Dann haben wir eine Verhaltenspyramide erstellt und Konsequenzen ausgehandelt, die auf der jeweiligen Stufe angewandt werden, zB ein Kind macht seine Haushaltsaufgabe nicht pünktlich (Aufwaschen des Speisesaals), dann ist das Fernsehen an diesem Tag gestrichen. Für jede Stufe brachten die nannies 5 verschiedene vernünftige Strafvorschläge. An der Spitze der Pyramide stehen diese Dinge, die hoffentlich nie vorkommen werden: Drogenmissbrauch bzw illegales Verhalten. Das steht dann außerhalb des Bereichs der nannies und wird umgehend an den Vorstand kommuniziert. Diese 10 golden rules of Amadeus sowie die Verhaltenspyramide wird in jedem Kinderzimmer angebracht, sodass die Kinder unsere Hausregeln nicht vergessen können.
Der dritte und letzte Teil meines Seminar konzentrierte sich auf die Erstellung eines Entwicklungsberichtes: eine Art Kind-Portfolio. Jedes Jahr soll von jedem Kind ein solcher Bericht geschrieben werden: was sind die Fortschritte, die das Kind gemacht hat in diesem Jahr? Welche Schwierigkeiten hat es noch und worin? Gibt es Auffälligkeiten? Was sind seine Stärken, was Schwächen? Welche Hobbys hat es? Usw. Jede nanny soll in einem Zeitraum von einem Monat ein Kind genauer beobachten und es danach - auch mit diesem Kind gemeinsam - diesen Bericht verfassen. Ich konnte sehen, dass die nannies sich hier sehr wert geschätzt fühlten, dass man ihnen so einen qualifizierten Bericht zutrauen würde.
Alles in allem empfanden wir diese Sitzung als sehr sinnvoll und gewinnbringend. In den nächsten Tagen findet dann noch die letzte Umsetzung mit den Kindern gemeinsam statt. Das wird noch vor Schulbeginn passieren - und der ist auch in Kenya am 2. September....
Es tut gut zu wissen, dass ich ihnen bei gewissen Themen wie Wertschätzung ihrer Arbeit im Amadeus, diszplinäre Probleme und Verhaltensregeln und weitere Schulung bezüglich Kinderpsychologie und Portfolio-Erstellung geholfen habe. Und ich muss eines sagen : mir hat es auch gefallen!! 😊👍
Mittwoch, 21. August 2019
Education = fun!
Ich hatte diesen Sommer ein Augenmerk auf die Fortbildung der nannies gelegt, und ich werde über mein Seminar mit ihnen in meinem nächsten Blog berichten. Aber die Kinder kamen natürlich auch nicht zu kurz:
Dem Motto entsprechend "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" ging ich das heikle Thema "money matters" an. Gemeinsam mit Lilo, die im Bankgeschäft tätig ist, bereiteten wir diese Unterrichtseinheit vor: wir teilten die Kinder in 2 Gruppen, dem Alter entsprechend. Unser besonderes Anliegen war es, den Kindern näher zu bringen, dass man Geld zunächst für Dinge ausgibt, die man braucht und das restliche Geld spart. Wir erarbeiteten somit, was Fixkosten sind und für welche Dinge man sparen will: Führerschein, etc... Mit den kleineren Kindern rechneten wir aus, wieviele Tomaten man mit so und soviel Geld kaufen kann und mit den größeren Kindern rechneten wir genau aus, was ein Handy kostet und warum sie von uns keines bekommen. Jetzt, da sie dieses money Seminar absolviert haben, werden sie Taschengeld bekommen und lernen, damit sorgfältig umzugehen.... Sie haben ja dann auch die Verantwortung, Dinge zu erneuern, die sie durch Unachtsamkeit kaputt machen.... Auf jeden Fall ist eines klar und das war mein Abschlusssatz zu diesem Thema: Ihr habt ein Hirn zwischen den Ohren und müsst es verwenden - vor allem dann, wenn es ums liebe Geld geht.
Jeden Nachmittag setzen wir uns zusammen im gemütlichen Pavillon und lesen gemeinsam. Ich habe ihnen das Buch "Charly and the chocolate factory" mitgebracht. Ich beginne und beende unseren Leseklub mit einem Kapitel, das ich laut und sehr dramatisch vorlese. Dazwischen liest jedes Kind eine Seite laut vor. Es geht mir hier um die englische Aussprache und die Intonation. Die Kinder haben zum Großteil Schwierigkeiten mit der klaren Aussprache und müssen viel üben. Sie lieben aber die Geschichte und lesen auch heimlich vor - das unterstütze ich natürlich 😊.
Auf ausdrücklichen Wunsch der Kinder brachten wir noch einmal die "Stone Soup" zur Aufführung. Das war natürlich überhaupt kein Aufwand, da bekanntlich "drama sticks" - die Sätze hatten die Kinder alle intus und die Regie genauso. Sie mussten sich also nur mehr verkleiden - etwas, das ihnen sowieso sehr viel Spaß macht - und die Bühne etablieren. Ich kam mit musikalischem Background, um das ganze abzurunden, und fertig war das Theaterstück:
Dem Motto entsprechend "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" ging ich das heikle Thema "money matters" an. Gemeinsam mit Lilo, die im Bankgeschäft tätig ist, bereiteten wir diese Unterrichtseinheit vor: wir teilten die Kinder in 2 Gruppen, dem Alter entsprechend. Unser besonderes Anliegen war es, den Kindern näher zu bringen, dass man Geld zunächst für Dinge ausgibt, die man braucht und das restliche Geld spart. Wir erarbeiteten somit, was Fixkosten sind und für welche Dinge man sparen will: Führerschein, etc... Mit den kleineren Kindern rechneten wir aus, wieviele Tomaten man mit so und soviel Geld kaufen kann und mit den größeren Kindern rechneten wir genau aus, was ein Handy kostet und warum sie von uns keines bekommen. Jetzt, da sie dieses money Seminar absolviert haben, werden sie Taschengeld bekommen und lernen, damit sorgfältig umzugehen.... Sie haben ja dann auch die Verantwortung, Dinge zu erneuern, die sie durch Unachtsamkeit kaputt machen.... Auf jeden Fall ist eines klar und das war mein Abschlusssatz zu diesem Thema: Ihr habt ein Hirn zwischen den Ohren und müsst es verwenden - vor allem dann, wenn es ums liebe Geld geht.
Jeden Nachmittag setzen wir uns zusammen im gemütlichen Pavillon und lesen gemeinsam. Ich habe ihnen das Buch "Charly and the chocolate factory" mitgebracht. Ich beginne und beende unseren Leseklub mit einem Kapitel, das ich laut und sehr dramatisch vorlese. Dazwischen liest jedes Kind eine Seite laut vor. Es geht mir hier um die englische Aussprache und die Intonation. Die Kinder haben zum Großteil Schwierigkeiten mit der klaren Aussprache und müssen viel üben. Sie lieben aber die Geschichte und lesen auch heimlich vor - das unterstütze ich natürlich 😊.
Am Abend, wie auch letzten Sommer, pünktlich um 18h wenn die Sonne beginnt unterzugehen, gehen wir laufen:
Auf ausdrücklichen Wunsch der Kinder brachten wir noch einmal die "Stone Soup" zur Aufführung. Das war natürlich überhaupt kein Aufwand, da bekanntlich "drama sticks" - die Sätze hatten die Kinder alle intus und die Regie genauso. Sie mussten sich also nur mehr verkleiden - etwas, das ihnen sowieso sehr viel Spaß macht - und die Bühne etablieren. Ich kam mit musikalischem Background, um das ganze abzurunden, und fertig war das Theaterstück:
Und was macht Ossi, während des Leseklubs und dem money Seminar? Er macht sein Ferienheft, das er stolz seiner zukünftigen Lehrerin zeigen will, macht sich in der Küche nützlich und läutet brav die Pausen ein. 😀
Montag, 19. August 2019
Going banana...
Wir haben 3 Kinder in unserem Kinderheim, die Vollwaisen sind. Und auch das stimmt nicht. Um genau zu sein, sind es Findelkinder, die ihre Herkunft nicht kennen - weder ihren Geburtsort noch ihre Verwandten....sprich keinen Anhaltspunkt zu ihrer Biographie haben. Um es auf den Punkt zu bringen : sie sind survivors. Ihre Wunden heilen langsam bei uns im Amadeus. Dennoch, es sind glückliche Kinder und wenn ich es nicht wüsste, würde ich nie erraten, welches Schicksal sie schon durchmachen mussten: Amy, Allen und Obama - alle 3 sind 9 Jahre alt. Besonders stolz bin ich auf Amy, die die Klassenbeste ist! Die 2 Jungs sind weit entfernt von blöd, dennoch ein bisschen faul, mit einer gehörigen Portion Schalk in den Augen! 😎
Die restlichen Amadeus Kinder bekommen immer wieder Besuch von ihren Familien - Familien, die sie nicht ernähren konnten oder Eltern, die sie im Stich ließen, jedoch aber die Großeltern sie immer wieder besuchen. Einmal im Jahr, während ihrer großen Ferien - also zu Weihnachten, wenn es hier sehr heiß ist - dürfen sie auch für eine bestimmte Zeit nach Hause zu ihren Herkunftsfamilien. Es passiert jedoch häufig, dass Kinder Amadeus kontaktieren und um Hilfe bitten, da sie nichts zu essen dort haben. Dann schicken wir Geld für Mehl und Mais hin. Die Kinder sind auf jeden Fall sehr froh, wenn sie wieder zurück im Amadeus sind, wo die Teller voll mit Essen sind. Und trotz aller Armut und Probleme, so freuen sich die Kinder, ihre Verwandten einmal pro Jahr zu besuchen....alle, bis auf Amy, Allen und Obama, die allein im Amadeus zurück bleiben.
Ich weiß, dass nichts eine eigene Biographie ersetzen kann, und doch versuche ich, eine Art Tante zu ihnen zu sein. Während ich den Amadeus Kindern einen Gesamtbrief zu den Festtagen an alle schreibe, so schreibe ich meinen 3 Kindern einzeln einen Brief und bringe ihnen Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke mit. Dieses Jahr hab ich ihnen 3 Schneekugeln zu Weihnachten geschenkt und 3 Puzzles zu ihren Geburtstagen.
Was die Familienbesuchstage angeht, so hab ich mir dieses Jahr etwas ausgedacht: wir haben nun den Spieß mal umgedreht; während sonst alle das Kinderheim verlassen, um ihre Verwandten zu besuchen, machten nun nur meine drei Kinder mit mir einen Ausflug. Alle schauten mit riesigen Augen, als Amy, Obama und Allen mit Ossi und mir im Auto davon fuhren.
Ich hatte einen banana boat ride gebucht. Wir fuhren also zum Strand, blödelten dort noch ein wenig herum, bevor wir das Bananenboot bestiegen und für eine halbe Stunde einen Riesenspaß hatten:
Um den Spaß abzurunden, drängten wir uns in ein tuktuk und ließen uns ins kokkos bringen, um dort uns mit Kuchen voll zu stopfen - allein, dass sie mit Messer und Gabel den Kuchen schneiden wollten, zeigte, dass es für sie das erste Mal war, dass sie einen Kuchen aßen.
Es war ein wunderschöner Nachmittag und wenn ich diese lachenden Kinderaugen sehen durfte und diesen Spaß mit ihnen teilen durfte, so machte es mich überglücklich. Immer wieder beobachtete ich sie, wie ihre weißen Zähne herausblitzten, wenn sie sich vor lauter Lachen am Bananenboot nicht mehr halten konnten. Und ich erinnerte mich, als wir Amy als Baby bekamen und ich ihr so oft versuchte, sie zum Lachen zu bringen - ohne Erfolg. Sie blieb lange verschlossen... War es ein Wunder? Ihre Mutter hat wiederholt versucht, sie umzubringen. Und nun? Nun ist sie da und blüht auf und an diesem Nachmittag hatte sie nur zu lachen.... Und ich? Ich war froh, dass wir im Wasser waren und somit meine Tränen aus Rührung und Freude sich mit dem Meerwasser vermischten. Ja: Geben ist mehr wert als Nehmen.
Sonntag, 18. August 2019
Empowerment - Ujamaa!
Es gibt Wochen, die sind langweilig; es gibt Wochen, die sind stressig ; es gibt Wochen, die sind langatmig; es gibt Wochen, die sind schier wiederholend. Und dann gibt es auch Wochen, wie diese letzte Woche: außergewöhnlich, einzigartig, berührend und aufregend, weil ein Prozess, ein Denken, gestartet wird, das etwas verändern kann und aller Wahrscheinlichkeit auch wird.
Es kam ein Team bestehend aus 7 professionellen Trainern von Nairobi, einer Organisation namens Ujamaa, die wir angeheuert hatten, um unseren Kindern und Jugendlichen sowie unseren Angestellten von Amadeus folgende Aspekte näher zu bringen und diesbezüglich Bewusstsein zu schaffen:
- HIV Prävention
- Sexualkunde
- Verhütungsmittel
- Sexuell übertragbare Krankheiten
- Selbstverteidigung
- Child protection and rights
- "Saying NO effectively"
- Interventionsmaßnahmen
Nachdem die Trainer mit den üblichen Icebreaking Games eine gute Atmosphäre geschafft hatten, gingen sie diese heiklen Themen an. Sie teilten alle Teilnehmer in vier Gruppen ein: boys / girls ; male / female staff. Warum wir auch die Angestellten schulen wollten? Ganz einfach: wir wollen sicher stellen, dass sie unsere Kinder gut unterstützen können und ihnen mit Informationen zur Seite stehen können.
Verschiedene Bilder sowie Dokumentationen über Geschlechtskrankheiten und Aids schockierten alle; dieser Schockmoment ist aber notwendig, um Bewusstsein zu schaffen und den Glauben endgültig zu nehmen, dass Waschen nach dem Geschlechtsverkehr Aids verhindert. Es war beeindruckend zu sehen, wie unsere Jungs ganz sorgfältig eine Gebärmutter ins Heft abmalten. Penisse aus Holz wurden herum gereicht und Kondome wurden ausgepackt und angewandt.
Während in der Gruppe der Jungs und der Männer mehr Dialog statt fand, Rollenspiele mit Interventionsimpulsen improvisiert wurden, so gab man den Mädchen und Frauen eine Stimme: immer lauter und fester wurden ihre Stimmen, als sie lernten, gegen Übergriffe zu reagieren und "nein" zu sagen. Und so wurden die männlichen Teilnehmer leiser und die weiblichen lauter - etwas, was in Afrika eher umgekehrt ist: Männer sind laut und geben den Ton an, Frauen müssen schweigen und akzeptieren. Die Trainer teilten mir mit, dass viele unserer Buben und jungen Männern der typisch afrikanischen Überzeugung seien, dass sie nach einem date mit einer Frau das Recht auf Sex mit ihr hätten. Dieser Workshop sollte mit diesen Rollenmustern aufräumen...und das tat es: Montag bis Freitag von 8.30h bis 17h - 4 selbstbewusste Trainerinnen und 3 Trainer befassten sich mit jedem einzelnen Kind und Angestellten und nahmen sie in ihren Bann.
Effektives, klares, starkes "Nein" Sagen mag gelernt sein. Es war sehr berührend zu erleben, wie unsere Mädchen, eines nach dem anderen, aufsteht, ihre persönliche Stimme findet und sich laut und klar artikuliert und durchsetzt: NO!!!!!
Im Falle dass jemand ein klares lautes Nein nicht akzeptieren kann, wird den girls and women die basic skills von self defense vermittelt: Nase, Augen, Hals, zwischen den Beinen, Zehen - jede Schwachstelle des Attackers wird angegriffen; der eigene Körper wird zur Waffe gegen dem Angreifer! Ossi durfte auch:
Und so darf ich nach diesem einwöchigen Training sicher sein: unsere Mädchen wissen, wie sie "nein" sagen und dass sie "nein" sagen dürfen! Unsere Buben wissen, wie sie mit Mädchen umgehen sollen und wie sie reagieren, wenn sie sehen, dass eine Frau attackiert wird beziehungsweise vergewaltigt wird - etwas, dass Frauen hier sehr oft passiert. Unsere Kinder wissen nun, welche Geschlechtskrankheiten es gibt, wie man sie verhindern kann und wohin man sich wendet, damit man sie behandeln kann. Unsere Kinder wissen, welche Verhütungsmittel es gibt, wo man sie bekommt und wie man sie anwendet. Unsere Kinder wissen, was Aids ist und wie man sich schützen kann. Unsere Kinder können nicht mehr sagen:" Wir wussten es nicht besser." - Unsere Kinder haben eine Wahl - und das ist mehr wert, als alles Geld auf dieser Welt.... Und ich durfte daran teilhaben!!
Am Freitag Abend war der Workshop zu Ende und es kam zum Abschluss und ich bedankte mich stellvertretend für alle Vorstandsmitglieder von Amadeus. Über 50 Sponsoren von Österreich hatten diesen Workshop möglich gemacht. Lilo, auch im Vorstand, hatte im Internet recherchiert und die Vorabgespräche geführt. Vielen galt und gilt mein Dank. Und dann sprach Umajaa das aus, wovor ich mich ein wenig gefürchtet hatte, weil es mir die Freudentränen nicht ersparen würde:"Christina, we thank you all, because without you this would not have happened!" Und ich erinnerte mich, als der Gedanke dazu vor einem Jahr entstand:
Als ich letzten Sommer hier war, sah ich ganz deutlich, wie groß unsere Kinder geworden waren. Aus den Kindergarten--und Vorschulkindern waren ordentliche Schüler und Schülerinnen geworden. Hassan, unser Ältester, sollte in eine weiterführende Schule gehen. Eine high-school ist hierzulande internat-geführt. Hassan also sollte dort dann ganzjährig wohnen. Ich hatte auf einmal ein ganz mulmiges Gefühl. Hassan würde dort sicher mit Mädels in Berührung kommen; er ist auch ein gutaussehender Bursche; es wäre naiv zu glauben, er würde keine sexuellen Erfahrungen sammeln.... War er darauf vorbereitet? Wer hat mit ihm je darüber gesprochen? Wenn er Sex haben will, weiß er, wie man sich vor Krankheiten schützt und eine Schwangerschaft verhindert? Die Antwort war klar: NEIN. Zurück in Wien besprach ich meine Sorgen im Vorstand:" Wir können noch so viel Geld für die Schule unserer Kinder ausgeben, wenn sie dann nach Abschluss alle sofort Kinder kriegen, weil sie nie etwas über Verhütung erfahren haben." Meine Bedenken fanden Gehör und so wurde dieses Vorhaben angegangen und ich durfte die Umsetzung miterleben und sehen, was Empowerment kann.
JA: Wissen ist Macht!
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