Karibu sana! Ich bin da!!! Und blinsle tatsächlich in die kenianische Sonne - nur um einen Tag verspätet... Reisen war schon immer beschwerlich. Wenn ich nur daran denke, wie wund Mozarts Hintern nach stundenlangen Fahrten in Kutschen (ohne Stoßdämpfer) auf holprigen Strassen hat sein müssen! Und heute? Heute fliegt man um sehr billiges Geld in der Weltgeschichte herum und nennt sich stolz "globe-trotter". Wenn man manchen Angeboten, die in jeder Tageszeitung zu finden sind, Glauben schenkt, dann wäre man blöd, in Wien zu verweilen, weil das Leben in Wien in einer Woche teurer sein kann, als 10 Tage in der Türkei mit Vollpension. Diese Billigreisen werden aber teuer bezahlt: die Beruhigungstabletten, die man braucht, wenn es Verspätungen gibt (und die gibt es immer!!!) und man den Anschlussflug versäumt (und mittlerweile gibt es fast keine Direktflüge von Wien aus; man muss zumeist nach Frankfurt oder Brüssel oder so); die Telefonate, die man führen muss, um seine Reiseveranstalter über die Veränderungen zu informieren; die Hygieneartikel und Kleidungsstücke, die man kaufen muss, um die ersten Tage zu überwinden, falls das Gepäck nicht mit einem gleichzeitig ankommt (und das passiert häufiger, als man denkt, vor allem, wenn man oft den Flieger wechseln muss!); die Geldstrafe vielleicht sogar, wenn man dem Nächsten die Nase blutig haut, weil man die Angst hat, keinen Platz im Flugzeug zugeteilt zu bekommen aufgrund von Überbuchung (und das obwohl man sein Ticket, das man rechtmäßig erworben hat, in Händen hält!); und möglicherweise auch Anwaltskosten, wenn man dann den ganzen Flughafen verklagen will, weil man sich gedemütigt fühlt, wenn man halbnackt die Sicherheitszonen passieren muss...
Als mein AUA-Flieger nicht rechtzeitig abhob, hatte ich schon ein mulmiges Gefühl: ich hatte ja bloß 1 Stunde in Frankfurt Zeit, um die Condor Maschine nach Mombasa zu erwischen. Als wir uns genau 60 Minuten später in die Lüfte begaben, wusste ich es. Auch mein Hoffen, dass vielleicht Condor Verspätung hat, half nichts. In Galopp lief ich von meinem Ankunftsterminal zu nächsten (und das ist weit in Frankfurt; ich musste zusätzlich einen Lift in ein anderes Stockwerk nehmen, von dort den sky-link, und dort wieder ewige Gänge laufen), um schließlich Zunge-hechelnd die Maschine wegrollen sehen zu müssen... Bravo!
Nun begann die Irrfahrt. Die nächste Condor Maschine ging erst wieder in zwei Tagen. Nein, das kam für mich nicht in Frage. Ich war schließlich auf meinem Weg, da konnte mich doch ein verspätetes Flugzeug nicht aufhalten! Die andere (einzig andere!) Möglichkeit? Rom-Addis-Kilimanjaro-Mombasa. Mit einem Trostgutschein von €5 für ein Erfrischungsgetränk (ich geb's zu, ich bestellte mir ein Bier) begab ich mich zu der lauten italienischen Reisegruppe. Wir Italianisten wissen, dass Italienier ausschließlich in Rudel reisen (Chaira, falls du das liest, so bist du natürlich eine Ausnahme!!!). Naja, somit hatte ich auf jeden Fall noch die Möglichkeit, mein verkrustetes Italienisch aufzubessern. Bis alle Italiener neben ihren Busenfreunden saßen (alle mussten zumindest einmal Sitzplatz tauschen) und ich alle Geschichten aus allen Perspektiven mitanhören musste, ging's dann endlich los. Wieder hatte ich in Rom nur eine Stunde Zeit. Wir kamen 10 Minuten verspätet an und ich trabte wieder zum nächsten Terminal zu meinem Gate und wurde dort vom Flugpersonal gescholten, weil ich die letzte beim Boarden war (sehr witzig!), aber zum Glück akzeptieren sie Entschuldigungsbeteuerungen auf Italienisch eher als auf Englisch und ich stand schon im Flugzeug (Ethiopian Airlines) nach Addis. Dem nach Tausend-und-einer-Nacht riechenden Businessabteil folgte - diesen arroganten Ausdruck hörte ich einmnal in Wien - die Schweinchenklasse. Ich muss aber zugeben, dass ich unwillkürlich schlucken musste: es roch sehr streng (ich erspare Details), die braunen Plastiksitze waren zum Teil zerschlissen und es war mörderisch heiß. Während ich mir nochmals klar machte, dass ich das so wollte und es keinen Grund gibt, an meiner "mission possible" zu zweifeln, hoffte ich, dass wenigstens das Getriebe halbwegs in Ordnung war. Die Äthiopierinnen gefielen mir irrsinnig (ich neige dazu, wenn mir etwas gefällt, hinzustarren und hoffe, niemanden beleigt zu haben): schlank-schlaksig, lang-gliedrig, große dunkle tiefgehende Augen, haselnussfarbige Haut - alles wahre Schönheiten! Von hinten hatte ich oft den Eindruck, inmitten einer alten Christus-Verfilmung zu sein: der Schleier, der fast bis zum Boden nach hinten getragen wird. Ich kam mir in meiner Schmuddelhose ein wenig deplaziert vor. Aber sie gaben mir trotzdem zu essen.
In Addis hatte ich zwei Stunden Aufenthalt. Tja, dieser Flughafen hat relativ wenig Ähnlichkeiten mit dem ganzen Firlefanz der westlichen Flughäfen. Dieser Flughafen berief sich darauf, wozu er eigentlich stehen sollte: er befördert Passagiere in Flugzeugen von A nach B. Bei uns weiß man ja oft gar nicht, was man zuerst tun soll: Wellness, Friseur, Pediküre, Shoppen, Essen, Trinken,... Dort ist es relativ einfach: man setzt sich in den Wartesaal und wartet auf sein Flugzeug. Kein Kaffeeautomat, keine Snack-bar, und auch keine Sicherheitsschikanen. Ich lernte Swahili-Vokabel, denn es wurde sichtlich ernst: nur noch ein Zwischenstopp am Kilimanjaro und dann Mombasa! Der Kilimanjaro war in Wolken; die meisten Passagiere verließen dort das Flugzeug - ganz in Bergsteiger-outfit, um dort von Bergführern abgeholt zu werden, die sie dann auf den Berg hinauftragen. Aber um westliches Geld macht man dort alles!
Nur eine halbe Stunde später landete ich in Mombasa. Als Entlauste und Geimpfte machte man mir keine Schwierigkeiten, einzureisen. Ein italienisches Pärchen hatte natürlich wieder einmal keinen Impfpass mit (Chiara, du darfst dich nicht angesprochen fühlen!) und wusste gar nicht, was man von ihnen wollte. Ich schmunzelte, als sie zu ihm flüsterte: "Ma che vogliono?" ("Aber was wollen die denn?") und er ihr zuraunte "Ma che cazzo ne so io." ("Was zum Teufel weiß denn ich.") Ich erwartete nicht ernsthaft mein Gepäck: das wäre ja wahrlich zu viel verlangt. Ich begab mich zu der nächsten Personaldame, die handschriftlich alles vermerkte und verließ mit ihrer zuversichtlichen Aussage, das Gepäck komme sicherlich morgen, den Flughafen.
Ein sehr lieber und höflicher Mike, der Waisenhaus-Fahrer, erwartete mich brav beim Ausgang und ich konnte endlich meine paar holprigen Sätze auf Swaheli anbringen: Karibu sana!