Samstag, 16. Juli 2011

Tsavo West, Amboseli & Kilimanjaros Schnee von Gestern


Nach meinem unglücklichen Essensabenteuer freute es mich umso mehr, am Tag meiner Abreise für die zweite Safari-Tour wieder voll fit zu sein. Um 5.30h wurde ich von meinem Fahrer James oder Babo Musili (Musili heißt so viel wie Häuptling oder Boss) abgeholt. Er, ein alter Safari-Guru, war für mich die nächsten drei Tage zuständig und sollte mich durch Tsavo West und den Amboseli Nationalpark führen.

Es war eine lange Anreise. Während der Fahrt erfuhr ich, dass mein Guide 14 Kinder hat, doch er meinte, das wäre gar nichts Besonderes, da sein Nachbar ihn  mit 17 Kindern um Hausecken geschlagen hätte. Er verstand das Problem Europas mangelndem Kinderwunsch nicht; wir hätten doch so viel Geld, also warum keine Kinder? Sie hätten hier wenig bis gar kein Geld, aber den Kindern würde es an nichts fehlen. Er schätzte sich besonders glücklich, da er zehn Mädchen hätte, deren zukünftige Ehemänner ihm als Familienoberhaupt viel zahlen werden müssen, denn Frauen sind wertvolle Geschöpfe, die schließlich nicht umsonst zu haben sind. Als ich ihm erklärte, dass bei uns kein Ehemann seine Frau „kaufen“ müsste, schüttelte er wirsch den Kopf: „Dann ist es ja kein Wunder, warum bei euch die Scheidungsrate so hoch ist, wenn ihr nichts wert seid. Nur Müll schmeißt man gratis weg.“ Darauf wollte ich dann nicht näher eingehen…

Um 13.30h waren wir schließlich in Tsavo West und ich war hingerissen von dem roten Steppenwüstensand. Den Nachteil des gesicherten Weges, den man nicht verlassen durfte, machte die Landschaft wett: großartige Berg- und Hügelketten schmückten die mit uralten großstämmigen Bäumen und halb verdorrten Sträuchern gesäumte Gegend. Und schon sah ich Giraffen, Zebras, Impalas, Antilopen, Dik-Diks, Gazellen und Gnus. Wunderschön!




Um 15h kamen wir dann im Severin Lodge an: wieder Zelte, diesmal achteckig, wieder mit allem Drum und Dran! Nur eines war für mich sofort ersichtlich: es war um vieles touristischer als in der Masai Mara. Die Lodge war gesteckt voll mit Engländern, Deutschen, Franzosen, Amerikanern und Österreichern. Nach einem weiteren game-drive während eines atemberaubenden Sonnenuntergangs hieß es dann Abendessen. Ich wollte mich nach diesem langen Tag schon früh zu Bett begeben, nicht zuletzt auch weil am nächsten Tag um 6.30h eine weitere Ausfahrt geplant war. Gesagt getan, um 21h lag ich weit ausgestreckt in meinem gemütlichen Bett und freute mich darauf, den nächtlichen Geräuschen der Wildnis zu lauschen. Zu früh gefreut: eine 20-köpfige Horde von jungen Engländern at their worst behaviour hatten sich das riesige doppelstöckige Zelt gleich nebenan gebucht und machten auf Party-stimmung. Wer mich kennt, der weiß, dass ich meine Engländer liebe… nur das war zu viel. Es gab dort in jedem Zelt einen Security-Knopf, den es bei Problemen zu bedienen galt. Nach einer halben Stunde hatte ich die Schnauze voll. Ein Massai kam sofort und versprach, für Ruhe zu sorgen. Ja, für zehn Minuten war dem auch so. dann ging das Ganze von neuem los. Das Spielchen spielten wir drei Mal, bis schlussendlich der General Manager kam und etwas forscher auftrat. Nur da war es kurz vor Mitternacht und ich war munter. Naja, irgendwann dürfte ich dann doch eingeschlafen sein.

Bei Morgengrauen wurde ich geweckt, packte schnell meine Sachen, da ich die nächste Nacht in Amboseli untergebracht war. Nach einem schnellen Frühstück durfte ich wieder Tiere beobachten und nach den vielen Tiererlebnissen, die ich jetzt schon sammeln durfte, bin ich mir sicher, dass die Walt Disney Zeichentrick-Zeichner hier viele Arbeitsaufenthalte hatten: so schön und genau gezeichnet und auch die Bewegungen der Tiere so präzise eingefangen – Hut ab!

Gerade als ich mich auf ein Mittagessen mit einem anschließenden Swimming-Pool Relax (ja, die lodges dort haben alle auch einen Swimming-Pool…)freute, passierte es: der Jeep machte ein lautes, schrilles Geräusch und ich sah mit Entsetzen, dass das Hinterrad neben meinem Jeep vorbei rollte: ich bin kein Auto-Experte, aber das war auch für mich ein Zeichen, dass wir ein gröberes Problem hätten… Von diesem Moment an, war der Spaß vorbei. Ich wurde in einen Kleinbus gesteckt und war gezwungen, das Programm der anderen mitzumachen. Glücklicherweise waren die Insassen eine kultivierte englische Familie aus der Shakespeare-Region – das versöhnte mich dann mit dem Vorfall der vorangegangenen Nacht. Trotzdem, sie waren am Weg zu einem Massai Dorf, und da ich eines schon besucht hatte, wartete ich im Bus und grollte vor mich hin, da ich erstens hungrig und zweitens den Swimming-Pool auskosten wollte.

Tja, schließlich kam ich dann doch noch zu meinem Mittagessen in meiner Amboseli-Lodge. Nachdem ich meinen Blick durch die Anzahl der Tische schweifen ließ, sah ich endlich, was die letzte Zeit auffallend gefehlt hatte: Chinesen – ganz nach Klischee mit zwei Kameras und einem Videogerät pro Person bewaffnet. Nun war der Touristen-hype perfekt! Ein kurzer Swimming-Pool Aufenthalt musste mir genügen, bevor ich in einem anderen Jeep mit zwei Wienerinnen saß. Das war sehr nett und ich konnte Amboseli mit seinen großen Elefantenherden genießen.


Nach einem üppigen Abendessen nahm ich den gewohnten Weg zur Rezeption um meinen Weckrufwunsch bekannt zu geben: 6h. Ich war glücklich, meine Unterkunft  – diesmal Holzhäuschen – am Ende der Anlage zu beziehen, da die Chancen auf etwaige Nacht-Party-Tiger geringer waren. Mit der leisen Hoffnung, den Kilimanjaro wolkenfrei bei Sonnenaufgang zu erleben, schlummerte ich ein. Ich erwachte – zu meinem Erstaunen war das Zimmer strahlend hell – um 7h. Um 7.15h war die Abreise geplant: F…! Man hatte vergessen, mich zu wecken! Wenn man bedenkt, wie viele Chancen ich auf einen offenen Kilimanjaro-Blick in meinem Leben habe, so ist das eigentlich unverzeihlich!

Gott-sei-Lob-und-Dank: vor der langen und erschöpfenden Heimreise erhaschte ich noch einen Blick auf den 6000er Riesen, bevor er wieder von Wolken umhüllt wurde – das ist wahrscheinlich eines der letzten Fotos, auf denen zumindest noch eine kleine Schneedecke zu sehen ist. Tja, die einzige Möglichkeit unseren Planeten zu retten ist es, den Menschen auszurotten, doch falls das die Tiere der Masai Mara, Tsavo West und Amboseli hoffen, so schaut es zur Zeit gar nicht so aus… vor allem wenn man den regen Nachwuchs der Kenianer miteinbezieht!